272 HITLERS GAST

mit allen Untertönen der Verachtung vor einer brüllenden Zuschauermenge zum Schreien lustig spielte.

Einige Wochen später, nachdem ich ihr meinen Gruß bestellt hatte, begegnete ich Frau Grünbaum noch einmal auf der Straße.

Was hören Sie von Fritz? beeilte ich mich zu fragen.

Sie lächelte, blickte scheu um sich, ob es auch niemand hören und ihr Glück verraten konnte, und sagte dann, mit unter- drücktem Jubel, fast im Flüstertone:Gott sei Dank, er darf Strümpfe stopfen!

Gott sei Dank! sagte auch ich und dachte flüchtig an den Raum, in dem dies Strümpfestopfen geschah: eine leere Baracke, in deren von Staub erfüllter Stickluft zweihundert bis dreihundert blaugrau gestreifte Elendsgestalten zehn Stunden im Tage, über. ungewaschene Strümpfe gebeugt, sich bemühten, faustgroße Löcher grobfädig zu verstricken.

Drei Jahre später, nachdem ich die jubelnde Mitteilung seiner Frau erhalten hatte, starb Fritz Grünbaum in Buchenwald . Daß ihm die dort kommandierende Bierleiche bis zuletzt gestattete, sein liebenswertes Komikertalent beim Strümpfestopfen zu über- leben, wage ich nicht zu verbürgen.