268 HITLERS GAST
eigenen Kleidern auch mein geliebtes Messerchen zurück, womit meine glückliche Wiedergeburt erst besiegelt war, und dann mußten wir nur noch die Ermahnung des stellvertretenden Lagerkommandanten über uns ergehen lassen: Wir sollten mit niemand über Dachau reden, auch nicht mit unseren Frauen, denn wenn herauskäme, daß wir geredet hätten, würden wir zum zweitenmal nach Dachau kommen, und was das sagen wolle, das wüßten wir.„Wir haben einen langen Arm und er- reichen Sie, wo immer Sie sich aufhalten mögen!“ fügte er, den Schrecken noch vermehrend, hinzu, indem er uns bösartig an- glotzte.
Ich werde das versoffene Tiergesicht dieses Häuptlings nie vergessen. Gedunsen, mit verglasten Äuglein, hatte es den Ausdruck einer aufgeschwemmten Wasserleiche— nein, Bier- leiche. Bierleiche, jawohl. In diesem Bilde mag der Unhold weiterleben.
Eine Stunde später stand ich im Verbindungsgang des mich nach Wien zurückbefördernden Schnellzuges und wartete, durchs Fenster blickend, auf den Augenblick, da die reichs- deutsche Landschaft wieder in die mir vertraute österreichische übergehen würde. Aber während ich mich in diese weit vor- ausschauende Betrachtung verlor, fühlte ich mich plötzlich von rückwärts heftig am Arm ergriffen. Schon wieder! dachte ich, erschrocken zurückgewendet. Aber es war nicht das Gesicht eines Hitler-Schergen, sondern eines schönen Mädchens von angelsächsischem Typus, das ich vor mir hatte. Durch eine Kurve aus dem Gleichgewicht gebracht, hatte sich die wankende Schöne an den nächstbesten Arm geklammert.„I am sorry!“ sagte sie jetzt zu ihrer Entschuldigung.„I am happy“, er- widerte ich, die Tür zum Speisewagen vor ihr öffnend.


