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HITLERS GAST
hier den Weg ins Freie oft am raschesten. Dies war mein Fall. Ein Freund, von dem ich keine Ahnung hatte, wie sehr er sich für mich bemühte, war unablässig auf meine Rettung bedacht. Er verschaffte mir, während ich im ,, Vierten Abgrund" oder, wenn man lieber will, im achten Höllenkreise duldete, ein amerikanisches Affidavit und dann auch, dank dem Entgegenkommen des amerikanischen Generalkonsuls in Berlin , Mister Raymond Geist , ein Sofortvisum zur Einreise in die Vereinigten Staaten . Dann, eines Tages, wurde mir auf einer offenen Postkarte, von einem gewissen ,, Erwin" mitgeteilt, daß die„, langgeplante Fidelio- Aufführung" demnächst hochgehen soll, und daß ich auf eine weitere Mitteilung gefaßt sein dürfe. Merkwürdigerweise wußte ich sofort, was mit„, Fidelio“ gemeint wäre, wie auch, daß ,, Erwin" Emil, und daß dieser Emil mein Freund Emil Ludwig wäre. Woher mir diese blitzartige Erleuchtung kam, könnte ich auf keine Weise erklären. Ich kann nur sagen, daß ich es nicht nur vermutete, sondern wußte, was sich verstandesmäßig um so weniger rechtfertigen läßt, als die Karte den Poststempel Berlin trug, und Ludwig in der Schweiz lebte und nie nach Nazideutschland kam. Es muß wohl auch so etwas wie eine drahtlose Telegraphie der Freundschaft geben.
Bald darauf kam meine Stunde. Es war fünf Uhr früh, und ich war eben im Waschraum damit beschäftigt, meine Eẞschale von dem hinuntergespülten Kaffee zu reinigen, als ich unseren Stubenältesten draußen meinen Namen rufen hörte. Aber nein!" schrie ich zurück: ,, Ich bin ja gar nicht Kübelrückträger, Herr Korporal! Erst Mittag!" ,, Aber du sollst ja gar nicht Kübel zurücktragen. Du gehst frei!" war die gemütliche Antwort. Wobei der den Freispruch Verkündende mürrisch auf einen Zettel deutete, den ihm der Blockschreiber soeben aus der Lagerkanzlei überbracht hatte.
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Täglich, durch hundertundfünfzig Tage, wenn der hinkende


