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Dachau : Erlebnisse im Konzentrationslager / von Konrad Wüest Edler von Vellberg
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Lehrern und Schülern, zwischen allen Volksgenossen, ja zwischen den Völkern riß das Naziregime gewaltige Klüfte auf. Es wollte alles verschlingen, alles in seine Macht brin- gen. Rauh und roh, lieblos, schrecklich und allgewaltig griff die Faust dieser Gewaltherrschaft in das ganze Leben ein. Zwar wurde in den Reden der Naziführer viel von der Ver- gangenheit Deutschlands und von seiner tausendjährigen Zukunft gesprochen, um die Vergangenheit kümmerten sie sich jedoch ebensowenig wie um die Folgen, die dieses grauenhafte System bei allen freiheitsliebenden Menschen nach sich ziehen mußte. Ihr Reich war nur die Gegenwart! Mag im Anfang der Jahre und unmittelbar nach der Über- nahme ein Idealismus zu verzeichnen gewesen sein, so war er zu bald einem rohen Materialismus gewichen. Mit ihm wurden alle etwa vorhandenen Ansätze guter Eigenschaf- ten zerstört!

Bei der bevorstehenden Auslese durch die Alliierten kann es nur zwei Fragen geben, die man jedem Deutschen stellen müßte:

Erste Frage: Sind Sie Nazi? Sie wird stets mit einem Nein beantwortet werden.

Die zweite Frage: Waren Sie Nazi? Es wird ein zögern- des Ja folgen oder ein aufrichtiges Nein. In jedem Falle müßte das Nein miteinem Aktivbeweis in Form von Ent- lassungsscheinen aus Gefängnis oder Konzentrationslager unterstrichen werden, denn nur dann war der betreffende Deutsche ein aktiver Gegner des Nazisystems.

Die Auslese nach diesem einfachen System wird in kür- zester Zeit klare Verhältnisse schaffen.

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