Der Sonderbau im KZ- Sachsenhausen
Als die erfolgreichen Absatzbewegungen" in den Jahren 1943/45 immer zahlreicher wurden, setzten auch im Lager Sachsen hausen auf gewissen Gebieten die taktischen Absatzbewegungen ein. Der Leser wird nach den vorhergehenden Berichten erstaunt sein; es war aber so. Man wollte vieles ungeschehen machen, als der Tag der Vergeltung immer näher rückte.
Im Jahre 1943 stempelte man das Vernichtungslager Sachsenhausen inoffiziell zu einem Arbeitslager. Das wahllose Schlagen hörte auf, die Anzahl der Schläge wurde nunmehr für begangene ,, Straftaten" nach ärztlicher Untersuchung verordnet. Pakete durften empfangen werden, das Essen wurde etwas besser, statt verfaulter Kohlrüben gab es auch einmal genießbare. Man sah in dem Häftling nicht mehr, das Ventil für den Sadismus und die Blutgier der SS, sondern eines der nützlichsten Tiere in Gottes großem Tierreich; das Arbeitstier. Die Werkstätten stellten sich mehr oder weniger von der Schwarzarbeit für SS - Führer auf Rüstungsbetrieb um.
Im Laufe der Zeit wurde die Produktionsfrage immer brennender. Die ,, Rote Armee " brachte den deutschen Truppen die ,, Hohe Schule" bei; sie lernten im Trab und Galopp laufen, und dabei blieb alles überflüssige Kriegsgerät stehen( es sollte mit den neuen Wunderwaffen, die nur in Goebbels Gehirn bestanden, wieder zurückgeholt werden). Das Wörtchen Leistungssteigerung ließ den SS - Halunken die Haare zu Berge steigen. Wie kann man bloẞ die Häftlinge dafür begeistern? Zuweisung von Lebensmitteln? Ausgeschlossen. Also zahlen wir Leistungsprämien. Bald aber stellte sich heraus, daß dies kein Ansporn war, denn Geld ohne Ware ist nichts als Papierfetzen, die wegen ihrer Kleinheit noch nicht einmal auf der Latrine Verwendung finden konnten. mußte also eine Lösung gefunden werden, die das ach so schwer herausgegebene Geld in die weiten Taschen der SS zurückfließen ließ. Und da brüteten die Hirne der Lagerführung eine„ grandiose" Sache aus. Ein Sonderbau wird gebaut nach dem Motto:., Was ich selber denk' und. tu', trau' ich auch den andern zu.".
Es
Neben der Leichenhalle im Krankenhaus wurde eine Baracke mit 10 Einzelzellen errichtet und für Lagerbegriffe komfortabel eingerichtet. Unter den Häftlingen gab es hitzige Debatten. Die einen tippten auf eine erweiterte Leichenhalle, die anderen auf eine moderne Vernichtungsanstalt für Häftlinge. Die Unruhe stieg von Tag zu Tag, bis dann
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