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KZ Sachsenhausen / im Auftrag des Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" herausgegeben von Lucie Großer
Entstehung
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Das Menschenschlachthaus von Sachsenhausen

Das KZ.-Lager von Sachsenhausen war, wie fast alle K7.-Lager, ein Vernichtungslager. Zehntausende von Menschen haben dort von 1956 bis 1945 ihr Leben lassen müssen, gestorben an Hunger und Erschöpfung, zu Todegequält von der SS oder wie es im Mord-Jargon der SS hieß umgelegt, liquidiert. Die Stätte, an der die Hinrichtungen yollzogen wurden, war das Krematorium bzw. die Sandkuhle neben demselben. In letzterer wurden Er- schießungen vorgenommen und dort stand auch der Galgen. Auch im Krematorium fanden Erschießungen statt, vor allem aber befand sich dort die Gaskammer. Sie war als Baderaum getarnt. Soweit die Opfer des Naziterrors nicht Sachsenhausener Häftlinge waren bzw. alte Häftlinge aus anderen Lagern, hatten sie keine Ahnung, was ihrer dort harrte. Man sagte ihnen, sie würden zum Baden geführt. Sie mußten sich entkleiden und betraten den Raum. Dann strömte aus der Dusche zugleich mit dem Wasser Giftgas. Durch eine Scheibe beobachteten die Henker den Todeskampf ihrer Opfer. Zum Tode Bestimmte, die zögerten, die Gaskammer zu betreten, oder sich gar widersetzten, weil sie wußten oder ahnten, was ihnen bevorstand, wurden mit brutaler Gewalt, Knüppelhieben und Fußtritten in den Mordraum getrieben.

Ich arbeitete vom Juli 1942 bis zum Tage unseres Abmarsches, 21.4.1945, in der zum Lager gehörenden Angora-Kaninchenfarm, die sich direkt am Krematorium befand. An unserer Arbeitsstelle vorbei, unter unseren Augen, wurden die Opfer des Hitlersystems in das Menschenschlachthaus getrieben. Es gibt nicht viele Tage in dieser langen Zeit, an denen ich Menschen nicht diesen, ihren letzten. Gang gehen sah. Ich werde nicht das Bild jener fünf jun- gen Mädchen vergessen, von denen die jüngste vielleicht 19, die älteste 25 Jahre zählen mochte. Es waren weibliche Häftlinge aus dem KZ. Ravensbrück . Die eine von ihnen, ein hübsches blondes Mädchen, zeigte lachend auf unsere Kaninchen. Sie alle lächelten und sahen sich neugierig um. Dann waren sie am Eingang des Krematoriums angelangt. Dort standen die Büttel- und Henkers- knechte der SS, die im Krematorium beschäftigten BV.(Berufs- verbrecher), bereit. Ich sah, wie der BV. Hans Gärtner aus Leipzig das eine Mädchen brutal an der Brust packte und durch das Tor stieß. Eine Viertelstunde später kamen der Rapportführer Böhm

und der SS-Blockführer zurück. Es war+vorbei.

In den Jahren 1942 bis 1945 habe ich so Tausende von Menschen zum Tode gehen sehen unter Bewachung der SS, an manchen