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KZ Sachsenhausen / im Auftrag des Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" herausgegeben von Lucie Großer
Entstehung
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die Baracke als ,, Sonderbau"( sprich Bordell)

ihrer Bestimmung übergeben wurde. Zehn Frauen aus dem Frauen- KZ. Ravensbrück wurden hergebracht. Darunter war ein Teil ehemaliger Dirnen, die übrigen aber waren unbescholtene Frauen, die dort in der Strafkompanie, oder genauer gesagt, im Todesbataillon waren und sich, um ihr Leben zu retten ,,, frei­willig gemeldet hatten. Sie übten hier dann den Beruf einer ge­werbsmäßigen Dirne aus.

Eine 19jährige polnische Medizinstudentin hatte sich auch., frei­willig" gemeldet, vertraute aber einer nicht vorhandenen An­ständigkeit der SS, wenn sie sagte, sie sei noch unberührt. Ob­wohl dies vom SS - Arzt einwandfrei festgestellt wurde, wurde ihr eine der Zellen zugewiesen. Das Schicksal dieser Frau erfüllte sich schnell; nach zwei Monaten war sie schwanger und wurde kurzerhand erschossen.

Jeder deutsche und polnische Schutzhäftling war berechtigt, gegen Entrichtung von RM 1,- in Prämienscheinen bei einer der Frauen 20 Minuten lang der ,, Liebe" zu frönen. Die Beteiligung war rege; Berufsverbrecher und Asoziale waren begeistert. Nur die sich ihrer Aufgabe bewußten politischen Häftlinge machten Front dagegen und erreichten, daß keiner von ihnen von dieser Einrichtung Gebrauch machte. Da ich selbst nicht Besucher war, bin ich nicht in der Lage, Einzelheiten zu berichten, sondern be­schränke mich auf die Aussagen von Besuchern dieses ,, Tempels der Liebe".

Der Tag der Eröffnung stieg; fünfzig Besucher waren zugelas sen. Das Offizierkorps war bereits anwesend. Die Besucher muß­ten Revue passieren und wurden untersucht, um dann ihren Liebestribut zu zollen. Alle 20 Minuten kam ein anderer dran. Die Wartenden standen Schlange. Mit wahrer Begeisterung stürzten sich die Offiziere auf die Spione", kleine verglaste Löcher in den Türen, und konnten sich nicht sattsehen an den Darbietungen. Sie scheuten auch nicht davor zurück, die Häftlinge eigenhändig herauszuexpedieren, wenn die Zeit überschritten war. In den ge­meinsten Zoten ergingen sie sich über diese ,, Kultureinrichtung". Das sind die Offiziere desselben Verbrechers, der sich seitenlang in dem Buch ,, Mein Kampf" über die Abschaffung der Prostitution ausläẞt.

Der Sonderbau war ein einträgliches Geschäft, denn es gab Tage, wo eine Frau bis zu 30 Häftlinge abfertigte. Es dauerte nicht lange, da feierten die ersten das Jubiläum des 2000. Be­suchers. Und die SS? Sie schlug sich zufrieden ob solcher ,, Mensch­lichkeit auf den Bauch, schrieb Berichte über die humane Be­

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