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KZ Sachsenhausen / im Auftrag des Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" herausgegeben von Lucie Großer
Entstehung
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gehörigen Großziegelwerk und wurden dort über die Posten­kette getrieben. Das war das Ende 1943, der Anfang 1944. 100 bis 200 Häftlinge mußten dabei ihr Leben lassen.

8. Aktion gegen Genossen der Lagerzentrale:

( Lagerälteste, Blockälteste, Vorarbeiter, Vormänner und Stubenälteste und sonstige bekannte Genossen aus dem Lager) Mitte 1943 nahmen die Gold-, Diamanten- und Devisen­schiebungen im Lager immer größere Formen an. In der Hauptsache daran beteiligt waren SS - Angehörige, aber auch eine große Zahl von Häftlingen. Die bei den Schiebungen be­teiligten Häftlinge setzten sich in der Hauptsache aus Berufs­verbrechern und asozialen Elementen zusammen. Fundort dieser Wertgegenstände war die Schuhfabrik des Konzen­trationslagers Sachsenhausen . Die Schuhfabrik war Sammel­stelle von allen Schuhen aller Konzentrationslager Deutsch­lands . Die Reichsleitung, auf die Schiebungen aufmerksam geworden, brachte die Kriminalpolizei ins Lager. Einige Wochen später bei einer Durchsuchung von seiten der SS­Angehörigen der Arbeitsräume in der Heizung Wäscherei wurden ein Radioapparat und selbst hergestellte Flugblätter gefunden. Dadurch wurde die Geheime Staatspolizei ins Lager beordert.

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Hinzu kam noch eine besondere Abteilung für Spionage. Diese drei Abteilungen zusammengenommen bekamen den Namen Sonderkommission. Die Sonderkommission arbeitete Hand in Hand mit Häftlingen( Verbrechern) aus dem Lager. Alle, die im Verdacht standen, Kommunisten zu sein oder mit ihnen zusammenzuarbeiten, wurden angezeigt und nach dem Isolierungsblock 58 gebracht. 27 unserer besten Genossen wurden auf dem Klinkerschießstand von einem SS- Kommando aus Friedenthal erschossen, 110 unserer Genossen kamen auf Transport in das Straflager Mauthausen .

9. Aktion gegen das Lager Anfang 1945:

An einem Abend wurde der Lagerälteste Baier( Verbrecher) zur Lagerführung gerufen. Nach einiger Zeit kam er mit Listen in Begleitung eines SS- Angehörigen wieder zur Schreibstube zurück. Auf diesen Listen befanden sich etwa 80-90 Namen von Häftlingen aus dem Lager. Lagerältester Baier setzte sich an die Kartei und stellte die Blocks dieser Häftlinge fest. Hernach wurden die benannten Häftlinge von den zwei Lagerführerdolmetschern Siegel und Hoffmann aus ihren Betten geholt und zum Tor gebracht. Dabei handelte es

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