neues Tatsachenmaterial sammeln werden über das, was die nazistischen Verbrecher 12 Jahre lang zur Qual wehrloser Gefangener ersannen und ausführten, und daß wir all dies dem deutschen Volke in Wort und Bild zur Kenntnis bringen werden und auch müssen. Denn wie viele ahnen heute noch gar nicht, was in den Konzentrationslagern geschah, in ihrem Namen ,,, im Namen des deutschen Volkes" geschah!
Dieses düstere Kapitel der Hitler- Episode geht darum jeden Deutschen an, der so viel Ehre und Gerechtigkeitsgefühl in sich trägt, wie man von ihm als Angehörigen eines im Grunde rechtschaffenen Volkes erwarten kann. Sollte man da falsche Rücksicht auf schwache Nerven nehmen dürfen? Wie lächerlich wäre es angesichts Millionen Gefolterter, auf Gefühle derer zu achten, die durch politische Gleichgültigkeit mitschuldig wurden an all diesem unsäglichen Leid.-
Ich selbst war als politischer Gefangener in Sachsenhausen, einem der vielen Konzentrationslager der Nazis, und ich will berichten von der dortigen Spezialität", Menschen seelisch und körperlich zu vernichten. Gewiß, auch uns Insassen von Sachsenhausen drohte täglich, stündlich der ,, übliche" Konzentrationärtod durch Schlagen, Treten, Pfahl und Bock oder auch„, nur" durch Erschießen und Erhängen. Aber wir hatten eben noch unsere Spezialität", und das war das„, Stehen".
Hinter diesem Wörtchen ,, Stehen" verbirgt sich nichts Geheimnisvolles, Ungewöhnliches. Es bedeutet nur das, was es besagt, also ganz einfaches Stehen. Ja, werdet ihr einwenden, was könne an einfachem Stehen schon Tödliches sein? Wir müssen heute überall stehen, beim Kaufmann, án der Haltestelle und sonstwo. Gewiß, so sieht es draußen aus; aber wie war das Stehen in Sachsenhausen?
Tausende von Häftlingen mußten viele Stunden lang auf einem Fleck stehen, ohne sich rühren zu dürfen, ohne Essen, ohne selbst austreten zu können. Wenn die SS - Mörder guter Laune waren, durften die Gequälten dazwischen einmal„ ausruhen"- durch Knien mit vorgestreckten Armen oder durch den sogenannten Sachsengruß, d. h. Kniebeuge mit im Nacken gefalteten Händen. Stunden um Stunden standen wir so im Freien, bei Sonnenglut, bei strömendem Regen und" bei bitterem Frost. Morgens zum Appell, mittags zum Appell, abends zum Appell. Fielen die berüchtigten Appelle nicht zur Zufriedenheit der Herren Aufseher aus, dann mußten wir eben weiter stehen. Wer auffiel, bekam Schläge, Tritte. Jeder vorbeigehende SS- Mann versuchte seine ,, Fähigkeiten an uns.
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