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KZ Sachsenhausen / im Auftrag des Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" herausgegeben von Lucie Großer
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fen in der weiteren Umgebung von Berlin gefunden wurden. Auch hierbei wurden viele Häftlinge getötet oder schwer verwundet.

Auch wurden außerhalb des Lagers bei gefährlichen technischen Experimenten( Ausprobierung neuer Waffen, neuer Fallschirme usw.) Sonderkommandos von Häftlingen eingesetzt.

Zu den Opfern der Massenliquidationen kommt hinzu die große Zahl der durch schlechte Ernährung, Überarbeitung und durch die periodisch auftretenden Seuchen, wie Typhus, Durchfall, Phleg­mone, verstorbenen Häftlinge. Es wurden Sterblichkeitsziffern bis zu 100 Häftlinge pro Tag verzeichnet. Außer den Blockführern begingen die Begleitposten und SS - Angehörigen der verschiede­nen SS - Betriebe gegen die dort beschäftigten Häftlinge ein Unzahl von Grausamkeiten. Einige Arbeitskommandos, vor allem Klinker­werke, gelangten in dieser Beziehung zu einer traurigen Berühmt­heit. Auch in der Kraftfahrtechnischen Versuchsanstalt ereigneten sich laufend rohe Übergriffe gegen Häftlinge. So wurden z. B. in diesem Betriebe einige Häftlinge so nahe an einen brennenden Ofen in Kniebeuge gesetzt, daß sie sich schwere Brandwunden an den Kniescheiben zuzogen. Es ist ganz unmöglich, diese sich fast täglich abspielenden, an Gemeinheit und Roheit sich über­bietenden Zwischenfälle im einzelnen aufzuführen. Jeder Häft­ling war den SS - Banditen gegenüber vogelfrei. Alle Beschränkun­gen hatten nur papiernen Wert. Selbst die hin und wieder bei be­sonders schweren Verletzungen durch die Ärzte eingelegten lah­men Beschwerden hatten keinerlei Wirkung.

Kaum wird es nach der Vernichtung der Akten, die die SS­Mörder zur Verwischung der Spuren ihrer Verbrechen im letzten Augenblick vornahmen, je möglich sein, die Opfer ihrer Ver­brechen in Zahlen zu nennen. Arbeiter, Studenten, Schüler, Ge­lehrte, Künstler und Politiker, Soldaten und Offiziere aus Deutsch­land und allen europäischen Ländern sind zu Tausenden im Kon­zentrationslager Sachsenhausen vernichtet worden.

Karl Raddatz.

STEHEN", die Folter von Sachsenhausen

Vor einigen Tagen wurde in der Presse zu der Bitte einer Lese­rin Stellung genommen, nun endlich mit den entsetzlichen Schil­derungen aus den Konzentrationslagern aufzuhören. Man gab dieser Frau die einzig richtige Antwort, nämlich, daß wir ja erst angefangen haben, die Schrecknisse dieser teuflischen Hitler­Institutionen zu enthüllen, daß wir Tag für Tag unermüdlich

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