Da, horch! Bewegung im Zellengang. Wieder das gleiche, nun schon oft gehörte Geräusch der Essenverteilung. Aber schwach ist meine Hoffnung, daß ich diesmal bedacht werden könnte. Wird auch jetzt meine Zellentür geschlossen bleiben? Und doch, Schritte nähern sich, bleiben vor meiner Tür stehen, ein Knack
Zellentür wird geöffnet!
meine
Mir wird eine Schüssel in die Hand gedrückt, und ich bekomme etwa ein viertel Liter warme Suppe. Welch' köstlicher Moment! Meine erstarrten Hände umklammern die heißersehnte, warme Schale. Und so, den Blick nach innen gerichtet, schlürfe ich langsam den Inhalt dieser Schale aus!
Noch einmal öffnete sich im Laufe der nächsten Stunden die Zellentür, ein Hemd und eine Hose wurden mir zugeworfen. Diese Bekleidung war zwar stark verschmutzt, aber ich hatte doch wieder etwas, womit ich meine Blöße bedecken, meinen Körper bekleiden konnte. Und etwas Wärme wurde so dem vor Kälte bebenden Körper!
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Mein Zellenkalender
Vier Tage war ich nun bereits in der Dunkelzelle des ,, Strengen Arrestes", als mir die erste Atzung und die Bekleidung zuteil wurde. Der kleine Lichtspalt, der durch die Bretter des vernagelten Fensters fiel, war meine größte innere Freude und auch mein Helfer. Mit ihm konnte ich mich beispielsweise nach Tag und Nacht orientieren. In der absoluten Zelleneinsamkeit, wo man durch nichts abgelenkt wird, verfällt man schließlich auf allerhand Hilfsmittel. So machte ich mir meinen eigenen ,, Zellenkalender". Wenn mir der Lichtspalt den neuen Tag ankündigte, dann klemmte ich einen dünnen Holzspan in den Spalt. Das war ein Teil meiner täglichen Tätigkeit". Die stetige Wanderung durch die Zelle war allerdings meine Hauptbeschäftigung.
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Dunkelarrest bei Wasser und Brot
Nach und nach bemerkte ich, daß auch in der erniedrigenden Schmach System liegen kann. Denn bald wurde mir klar, daß es üblich war, den Häftlingen, die im Zellenbau den„, Strengen Arrest" über sich ergehen lassen mußten, die ersten drei Tage nichts zur Verpflegung zu geben. Wie ich später erfahren sollte, überstehen nur etwa 50 Prozent der Zellenbauinsassen die auch von mir durchlebten Torturen. Es lag im teuflischen Plan der NaziLagerleitung, ihre Opfer bis an den Rand des Grabes zu bringen. Wer unter den Quälereien zusammenbrach, wurde als zu schwach gekillt". Es paßte zur teutonischen Ideologie der„ Nazi- Wissenschaft", der Rassenlehre.
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