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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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gerade im Begriff, den ersten besten Koffer zu ergreifen, als er in der Hand eines Kameraden, der mit einem großen Haufen von An­zügen und Sachen an ihm vorbeiging, eine merkwürdig bekannte Männerjacke erblickte.

Er warf den Koffer hin und hielt den Vorbeigehenden an. Nervös zerrte er die abgetragene Jacke aus dem großen Bündel heraus und hielt sie ins Licht. Deutlich fühlte er, wie es ihm dunkel vor den Augen wurde, wie er nach Atem ringen mußte. Diese Jacke hatte noch gestern abend sein Vater getragen. Er schluckte den plötzlich dick gewordenen Speichel herunter und griff mit zitternder Hand in die Jackentasche. Die alte, durch jahrelangen Gebrauch abgenützte braune Geldbörse seines Vaters kam zum Vorschein. Er kannte sie gut, denn sein Vater entnahm ihr nicht nur einmal das Geld, um ihm Süßigkeiten zu kaufen oder um in späteren Jahren größere Be­träge für ihn zu bezahlen. Unbeweglich, wie betäubt stand er eine längere Zeit da, ohne verstehen zu können, wie die Jacke seines Vaters hierhergekommen war.

Wo ist nun sein Vater?

Ein Schlag und die kreischende Stimme des SS - Mannes brachten ihn zur Besinnung. Er knickte zusammen, warf die Jacke weg und rannte mit den nächsten zwei Koffern zur Tür hinaus.

Wo ist mein Vater, wo?

Dies war in den nächsten Minuten der Inhalt seines Denkens. Er lief ununterbrochen in den Warteraum, trug schwere Koffer hinaus, doch diese Frage ließ ihm keine Ruhe. Die gebückte, graue Gestalt des Vaters stand vor seinen Augen, seine Stimme klang ihm in den Ohren.

Wo ist er?...

Der Warteraum war inzwischen leer geworden und die arbei­tenden Häftlinge begaben sich in den Schuppen. Auf Befehl des SS - Mannes mußten sie Anzüge, Mäntel, Wäsche und Schuhzeug sortieren, die Taschen entleeren, die Koffer öffnen. Alles, was sich darin befand, mußten sie in entsprechende Kisten werfen; die Lebens­mittel in die eine, auf welcher ,, Lebensmittel" geschrieben stand, die Seifen, Zahnpasten, Kölnisch Wasser in eine andere und die Arz­neien in eine dritte Kiste. Das vorgefundene Gold, Geld und alle Kostbarkeiten mußten sie zum SS- Mann hintragen, der vor einem ziemlich großen Kästchen saẞ.

Symek begann die Sachen seines Vaters herauszusuchen. Er fand sie fast alle.

Plötzlich schrie ein Häftling unheimlich auf und fiel besinnungslos zu Boden. Es entstand ein Durcheinander, der SS- Mann erschien. Man goß einen Eimer Wasser auf den Kopf des Häftlings und bald er­

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