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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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langte er die Besinnung wieder. Als er aufstand, fragte ihn der SS­Mann, was ihm geschehen war. Der noch halb bewußtlose Häftling platzte heraus: ,, Das sind die Sachen meines Jungen... Wo ist er? Was habt ihr mit ihm getan?"

Der SS- Mann lachte auf, zog seine Pistole und gab einen Schuß ab. Er tat es mit derselben Ruhe, mit der er eine Zigarette anzünden würde. Der Häftling verstummte. Er fiel zu Boden und blutete stark. Einige Male zuckte sein Leib, er öffnete breit seinen Mund, seine Augen und blieb bewegungslos liegen. Der SS - Manň steckte die Waffe ein und sagte im gewöhnlichen Tone, als ob es einen derartigen Vorfall nicht gegeben hätte: ,, Werft ihn auf den Hof hinaus!"

Seit diesem Augenblick dachte Symek Rosenthal nicht mehr dar­über nach, wo sich sein Vater befinden könnte. Gedankenlos ent­leerte er einen Koffer nach dem anderen und verteilte mechanisch ihren Inhalt auf die einzelnen Kisten. Als diese Arbeit beendet war, befahl der SS- Mann anzutreten. Er zählte die Gruppe und begann mit der Leibes visitation. Nun kehrten sie wieder ins Häuschen zu­rück. Der SS- Mann hielt vor der Tür des ,, Baderaumes".

,, Alle Leichen raustragen!"

Jetzt hatte niemand eine Frage mehr, niemand wunderte sich, als man die Tür geöffnet hatte. Die kahlen Wände waren weiß ge­strichen und der Betonfußboden war mit einem Holzgitter bedeckt, wie es in einer Badeanstalt üblich ist. An der Decke waren kurze Rohre befestigt, die mit Duschen versehen waren. Und auf dem Fuß­boden. Leichen. Nackt, furchtbar verkrampft, eine auf der anderen. Aus den toten gläsernen Augen starrte Schrecken und Schmerz... Der SS- Mann machte sich wieder bemerkbar. Er schlug jemanden und begann zu schreiben.

-

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Die zitternden Hände faßten die kalten Leiber und trugen sie hinaus. Symek Rosenthal trug schon den fünften Leib auf den Hof. Nach jedem Eintreten in den ,, Baderaum" schaute er sich stumpf um. Endlich fand er beim nächsten Male, was er suchte Vater! Dieser lag auf dem Fußboden, mit anderen Leibern bedeckt. Er war etwas bläulich angelaufen, doch irgendwie anders, als die restlichen Toten. Sein langer grauer Bart bedeckte seine Brust, die Augen hatte er geschlossen. Symek Rosenthal bückte sich und nahm den Vater auf seine Arme. Er konnte keinen Gedanken fassen und bewegte sich wie hypnotisiert. Er hob den Vater an die Brust und hielt ihn fest mit beiden Armen. Vorsichtig begann er zu gehen, langsam, wie bei einem Leichenbegängnis. Als er bei dem Leichen­haufen ankam, der vor dem Häuschen aufgeschichtet war, stand er eine Weile still und suchte mit den Augen einen guten Platz. Dann legte er ihn an die Seite des ganzen Haufens, damit man niemanden mehr auf den Vater legen konnte. Béhutsam legte er den Leichnam

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