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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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einem großen Transport seiner Glaubensgenossen in Birkenau. Seine restliche Familie, der Vater, der Bruder und seine Frau, teilte mit ihm dasselbe Schicksal:

Der ganze Transport wurde auf dem Auschwitzer Bahnhof sofort geteilt. Symek mußte nun ohne seine Familienangehörigen zu Fuß ins Lager marschieren, während der andere Teil des Transportes, so erklärte ein SS- Offizier, mit Autos ins Lager gefahren werden sollte. Im Lager bekam Symek auf die linke Hand eine Nummer tätowiert, man nahm ihm alles ab, was er besaß, schor ihm den Kopf kahl und ,, entlauste" ihn. Seine Lagerbekleidung bestand jetzt aus einem zerrissenen Lumpen, auf dessen Brustteil er einen sechszackigen Stern und einen kleinen Lappen mit derselben Nummer, die man ihm auf die Hand tätowiert hatte, annähen mußte, dann kam noch ein baumlanger SS- Mann und begann die Neuankömmlinge zu prü­geln. Es war ihm gleichgültig, wen und wohin sein dicker Knüppel traf. Symek Rosenthal hatte in den vergangenen drei Jahren so manches gesehen: In den Ghettos Leichen von Menschen, welche der Hunger oder die Kugeln des SS- Mannes getötet hatten, zu Tode gemetzelte jüdische Arbeitskołonnen. Und doch hatte im Ghetto alles etwas anders ausgesehen als hier im Lager. Im Ghetto hatte er noch Glück gehabt. Man hatte ihn nicht oft geschlagen, denn immer war es ihm gelungen zu fliehen, sich irgendwo zu verbergen. Im Ghetto hatte man ja ein abgeschlossenes Häuserviertel zur Ver­fügung, wo doch noch andere Menschen wohnten und wo man sich überall wohl zu Hause fühlen konnte. War es denn zu verwundern, daß Symek Rosenthal im Ghetto trotz allem keine Angst verspürt hatte? Hier aber war es ganz anders. Die Baracke war dunkel und abgeschlossen. Der lange SS- Mann bearbeitete einen mit seinem dicken Knüppel und fliehen konnte man aus diesen vier Wänden nicht. Deshalb verstand Symek Rosenthal erst jetzt den Wandel seiner Lebenslage; dort, im Ghetto, war man zwar mit Mauern um­geben, aber dennoch frei. Hier, im Lager, gab es nur prügelnde SS - Männer und mißhandelte Häftlinge. Symek Rosenthal geriet das erstemal seit drei Jahren in Verzweiflung, das erstemal lernte er die Angst kennen.

Nach ungefähr einer Stunde wahllosen Herumprügelns ermüdete der SS- Mann. Hier und dort lagen massakrierte Menschen. Der SS- Mann besah sich die anderen und befahl ihnen anzutreten. Keu­chend fragte er, ob nun jetzt alle genau wüßten, wie es im Konzen­trationslager herginge. ,, Jawohl!" antworteten alle. In der Tat war jetzt jeder über das, was ihn im Lager erwartete, genau orientiert. Der SS- Mann schritt die Front ab und wählte ungefähr dreißig Häft­linge aus, unter anderen auch Symek Rosenthal. Die mußten sich in Dreierreihen aufstellen und mit ihm nach Block 3 marschieren.

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