Nr. 4 verblieben nur ungefähr fünfzehn halbtote Menschen und Dr. Zenkteller, der mit Blut besudelt monströs aussah. Er schimpfte andauernd auf seine Gehilfen, doch nach einiger Zeit verstummten sowohl seine Schreie wie auch das Stöhnen der Sterbenden. Von einer Fortsetzung seiner ,, Arbeit" konnte keine Rede mehr sein. Übrigens hatte es auch Dr. Zenkteller satt. Bevor er den Block verließ, sagte er noch zu Piasecki:
,, Das ist gar nicht so einfach, wie es mir schien..."
Man ließ ihn jedoch ohne Antwort. Er wischte seine Hände im Handtuch ab und sagte noch in der Tür:
,, Ich gehe zu Leo. Wir müssen etwas anderes ausdenken."
Am nächsten Tag erfuhren wir, was diesęs ,, andere" war, Früh am Morgen erschien in Begleitung des Lagerführers Leo und Doktor Zenktellers ein Sonderkommando, das aus zwanzig Häftlingen bestand. An der Spitze dieses Kommandos stand ein berüchtigter Mörder aus dem Lager, namens Götzel.
,, Diese Männer", erklärte SS- Hauptscharführer Fitze dèm Blockältesten ,,, verbleiben auf Block 7. Sie gehören nicht zum Personal und unterstehen nur mir persönlich. All das, was die hier tun werden, geschieht auf meinen Befehl. Ihr alle, Blockältester, Vertreter und Pfleger, habt nichts zu sagen. Die zwanzig Mann erhalten dreifache Lebensmittelrationen. Verstanden?"
,, Jawohl!"
Am Nachmittag desselben Tages begann Götzels ,, Arbeitskommando" zu arbeiten. Man verhängte die Hälfte der Stube 4 mit Decken und verwies alle Kranken auf andere Stuben.
Dann begab sich Götzel in Begleitung von vier stämmigen Burschen seines Kommandos auf den Hof. Er ging an den einzelnen Kranken vorbei und zeigte mit dem Finger auf sie. Im nächsten Augenblick führte man sie in den abgetrennten Raum der Stube 4. Hier nahmen sie die anderen Männer des Kommandos in Empfang. Es folgte nun ein kurzer Prozeß: Ein Schlag mit dem Knüppel auf den Nacken machte den Kranken bewußtlos.. Darauf trat ein Kommandomann dem Liegenden auf die Kehle und drückte sie so lange mit dem Fuß, bis der Tod eintrat.....
So hat man das Problem der Überfüllung auf Block 7 gelöst. Götzels tägliches Arbeitspensum" schwankte zwischen hundertfünfzig und zweihundert Kranken...
XVI. Kapitel
Symek Rosenthal war ein kleiner Handwerker in Cichenau. Die Kriegsumstände hatten ihn von einem Ort zum anderen getrieben, von einem Ghetto ins andere geworfen. Endlich landete" er mit
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