Auf Schritt und Tritt konnte man solche Bilder een Diejenigen
“ Kranken, welche ihr Bewußtsein noch besaßen, ‚versuchten sich zu
erheben, sobald jemand vom Personal vorüberging, und baten mit
Lippen, welche das Fieber schwarz gebrannt hatte, um den Tod, ob- wohl es allen klar war, daß sie„vergast werden sollten.
Manchmal geschah es, daß ein SS -Mann.n Uniform auf dem Block erschien. Dann streckten sich die ausgetrockneten Hände der- Kranken nach ihm aus, umfaßten seine Stiefel und bettelten mit ihren unnatürlich glänzenden Augen um den Gnadenstoß.
„Ich kann nicht mehr aushalten! Wenn ihr an gr glaubt— tötet mich!”
Ein Fußtritt und ein Lachen war‘die Antwort; wonach ein Ge- nesender den Befehl erhielt, die„verunreinigten” Stiefel zu säubern.=
Die Auswahl zur Vergasung fand gewöhnlich dienstags statt. An- diesem Tage kam-aus Auschwitz SS-Obersturmführer Entres herüber, und es erfolgte die übliche Krankendurchsicht. Alle Kranken wur- den ohne Rücksicht‘auf ihren Gesundheitszustand auf den Hof ge- trieben und in Zehnerreihen aufgestellt oder hingelegt. Entres ging- die Front ab, indem er einen wohlabgemessenen Abstand hielt. Nun entschied er— rechts zur Vergasung— links auf den Block zurück. Die zur Vergasung.bestimmten Häftlinge blieben gleich ‚auf dem: Hof. Allen anderen wurden auf’ dem Block neue Plätze zugewiesen. Während der Dauer der Durchsicht wurde der ganze Block sauber gemacht, denn.es war die einzige Gelegenheit. Die gesünderen und stärkeren Kranken ordneten unter Bogdans oder Dr, Krauses Leitung die Kojen, kratzten den Kot ab, scheuerten mit dem Morgenkaffee_ die Wände und sammelten schaufelweise Lehm, Ausscheidungen der Durchfallkranken und Müll, der sich im Korridor anhäufte, Nachher wurde der ganze Block mit Chlor bestreut. Man öfinete die Tür, se damit der beißende-Geruch auslüftete, und es erfolgte eine zweite „Auswahl”. Diesmal wurden den Kranken die Stuben. zugeteilt,.und da es ja gar keine Möglichkeit gab, die Schwerkranken zu retten, versuchte es Dr. Krause wenigstens mit den leichteren„Fällen"
Die„Besten”' wurden demnach auf Stube eins und. zwei geführt, die ‚Typhuskranken, bei denen Aussichten auf Genesung bestanden, auf Stube dreı und der Resf auf Stube vier.
Die Bewohner der dritten und vierten Stube befanden sich mei- stens schon in solch einem Zustande, daß’sie keine ‚Speisen mehr aufnehmen konnten. Ihre Portionen wurden, deshalb täglich unter die ersten zwei Stuben aufgeteilt, das war die einzige mögliche Hilfe für die leichteren Fälle. Dieser Portionenaufteilung war es auch zu verdanken; daß dreißig ‚bis vierzig vom Tode bedrohte Menschen« jede Woche Block 7 verlassen konnten.
Nachdem Entres den Block verlassen hatte, begann die unheim-
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