>S
'Eines Tages stürzte plötzlich der sichtlich erregte Dr. Szymanskl,
der mich während der Krankheit gepflegt-hatte, zu mir herein: „Schnell! Raus aus dem Bett!"
Von Schnelligkeit war bei mir noch keine Rede. Phlegmatisch schaute ich ihn an. S
„Was ist los?"
‚„Ich werde es dir später erklären, jetzt komm!“’ Ä So gut ich konnte, kroch ich aus dem Bett, und in eine Decke eingehüllt, folgte ich-dem Arzt. Wir landeten im— Klosett. „Bleibe hier so lange sitzen, bis ich dich wieder in den Saal zu- rückhole”, sagte er mir noch upd verschwand. 5,
Eine Weile später hörte ich auf dem Korridor„Achtung!“ rufen, Geräusche von Menschen, die hin und her liefen, wonach es wieder still wurde.-:
Ich saß! Es verging eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, eine ganze Stunde, ein und eine halbe Stunde, und ich saß immer noch auf derselben Stelle, wohin mich Dr. Szymanski.gesetzt hatte.
Nach reichlichen zwei Stunden hörte ich, wieder„Achtung!“ rufen, und gleich darauf sah ich’in der Tür meinen Beschützer. Sein Gesicht strahlte vor Zufriedenheit::
>„Es ist gelungen!“ rief er gleich auf der Schwelle.„Du lebst!”
Dumm schaute ich ihn an.}
„Ich weiß. Noch lebe ich! Wenn du mich aber hier noch weitere zwei Stunden hättest warten. lassen, dann hätte man mich wahr- scheinlich rausgetragen._’
„Komm auf den Saal. Ich werde dir alles erzählen.“
Während der. nächsten ‚Viertelstunde erfuhr ich den wahren Grund der Nervosität und der späteren Freude von Dr. Szymanski.
‘Aus der Krankenbauschreibstube war nämlich ganz unverhofit
. die Nachricht gekommen, daß der SS -Arzt Obersturmführer Entres eine Krankenbesichtigung auf unserem Block vornehmen wollte._ ‘Weil nun die Häftlinge den. Krankenbaubesuchen verschiedener- SS -Männer ein ziemliches Mißtrauen entgegenbrachten, hielt es Dr. ‚'Szymanski für richtig, einige seiner Patienten, unter anderen auch mich, für die Zeit dieses Besuches zu verstecken. Später hat es sich herausgestellt, wie vorteilhaft dieses Mißtrauen für uns war.
Entres hatte alle ihm vorgestellten Kranken in’ drei Gruppen'ein- geteilt; die erste Gruppe wurde in den nächsten Tagen durch eine Spritze von„Professor‘' Clair„liquidiert;;zu dieser Gruppe gehörten
, die_ jeweiligen Typhuskranken.‘Die zweite Gruppe wurde am
19. März in das neu entstehende Lager Birkenau gebracht, wo man sie zu neunzig Prozent„erledigte“, und die dritte Gruppe endlich verblieb im Krankenbau.
a


