Gegen neun Uhr stürzt Georg, der Leiter der Aufnahmestube, Häftling Nr. 616, in den Saal:
* ,, Der Lagerarzt! Aufstellen!"
Die Durchfallkranken werden wieder gereinigt. Georg ermahnt sie: ,, Und bescheißt nicht zufällig den Obersturmführer!"
Endlich ist die Reihe fertig, es fällt das Kommando: ,, Marsch!".. Korridor.. Wie Brandwunden schmerzen die nassen Fußsohlen, sobald sie den eiskalten Fußboden berühren. Erste Tür rechts Ambulatorium.
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Für den Empfang des Lagerarztes strotzt der Raum vor Sauberkeit. Schränkchen, Wände, Scheiben, alles blitzt, daß man sich darin spiegeln kann. Die Fenster sind jetzt geschlossen, denn der Herr SS- Obersturmführer Entres befürchtet einen Schnupfen. Er steht beim Fenster in einem langen Mantel, der unter dem Halse geschlossen ist. Auf dem Kopf trägt er eine Mütze. Ein hagerer, hochgewachsener Mann, mit einem länglichen Gesicht und Brille mit schwarzer Horneinfassung. Seine Gesichtsfarbe stimmt merkwürdig mit der Farbe des Totenkopfes, den er an der Mütze trägt, überein.' Neben ihm steht der Häftlingsarzt Dr. Diem mit den Krankenpapieren.
Unsere Reihe nimmt im Kreise Aufstellung und die Untersuchung beginnt. Entres schaut mehr in die Papiere, welche ihm Dr. Diem reicht, als auf die Vorübergehenden. Von Zeit zu Zeit bleiben seine Augen auf einem Kranken haften, und er gibt den Befehl: ,, Halt!" Nachher folgt ein zweiter Befehl: ,, Kniebeuge!"
Seine blassen Augen mustern langsam den gekrümmten Menschen: Weiter!"
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Die Karteikarte bleibt in der Hand des ,, Lagerarztes". Bis zum Schluß der Krankendurchsicht hält er schon ziemlich viel in der Hand...
Nach einem., Vorbeimarsch" kehrten wir in den Saal Nr. 7 zurück. Einige Minuten des Wartens. Endlich.,
Der Lagerälteste" des Krankenbaues, Hans Bock, Häftling Nr. 5, trat ein. Obwohl er einen grünen Winkel trug, erfreute er sich einer großen Sympathie bei den Häftlingen. Er hielt drei Zettel in der Hand, die mit Nummern beschrieben waren.
,, Aufpassen! Die Vorgerufenen können jetzt ihre Sachen holen und sich auf den Block begeben."
Es folgten einige Nummern. Die Aufgerufenen verließen den Saal. Bock ergriff den zweiten Zettel.
,, Diejenigen, die ich jetzt vorlesen werde, werden in den Krankenbau aufgenommen."
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Ich hörte unter anderem auch meine Nummer. Ein Freudegefühl überkommt mich. Vor mir liegen sicher einige Tage der Ruhe. Ich
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