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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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manchmal nur noch mit großer Mühe die Schaufeln in der Hand halten konnten. So mancher von uns brach damals zusammen, auch ohne Schläge bekommen zu haben, und zu allem Unglück war noch der Herbst dieses Jahres ausnahmsweise kalt. Anfang Oktober gab es bereits täglich Frost. Von Mänteln, Socken, Handschuhen oder Mützen konnte keine Rede sein. Unsere ganze Bekleidung bestand aus dünner Wäsche und nicht viel dickerem Drillichzeug, eine Erb­schaft eines vergasten Transportes russischer Kriegsgefangener. Die Glücklichen von uns trugen an den Füßen Stiefel mit Holzsohlen, die übrigen, fast achtzig Prozent, gingen in Holzpantinen. Bei der Arbeit zitterten alle vor Kälte und klapperten mit den Zähnen. Aber der Kommandoführer erteilte diesbezüglich einen ,, genialen" Rat: Er befahl, gleich früh am Morgen die Jacken auszuziehen- wenn es euch kalt sein sollte". fügte er lächelnd hinzu arbeitet schneller!"

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Einen Tag nach diesem Befehl erkrankten etwa zehn Mann an Lungenentzündung.

Nach etwa zwei Wochen war ich völlig erschöpft. Morgens kroch ich mit Mühe aus dem Bett. Da man gerade fünf Tage vorher für die SK das Verbot aufgehoben hatte, die Hilfe des Krankenreviers in Anspruch zu nehmen, meldete ich mich beim Stubendienst krank. Dieser überprüfte mich genau, schaute mir in den Hals und sagte: ,, Wir werden mal sehen. Stell dich zur Krankendurchsicht an!" In der Reihe der Kranken" standen schon fast zwanzig Häft­linge. Nach dem Abmarsch der Kompanie zur Arbeit erschien der Blockälteste in Begleitung von Gerlach.

Die Durchsicht dauerte nicht lange. Indem Blockführer Gerlach. an unserer Reihe entlang schritt, fragte er jeden:

"

Was?"

Und bevor der Gefragte noch antworten konnte, erhielt er einen Schlag in den Bauch. Fiel er daraufhin zu Boden, so wurde er vom Blockältesten noch weiterhin bearbeitet; fiel er nicht, dann ließ man ihn in Ruhe. Ich überstand siegreich die eigenartige Durchsicht und marschierte nach einer halben Stunde mit weiteren neun ,, Aus­erwählten" zum Block 28, wo sich das Ambulatorium befand. Zuerst untersuchte uns Dr. Rudolf Diem, ein Arzt, der selbst Häftling war und die Nummer 10022 trug. Man brauchte ihm nicht viel zu er­klären: Der schwarze Punkt, das Abzeichen der SK, genügte, um als krankenbaufähig zu gelten. Aber das Urtell Dr. Diems allein ge­nügte nicht. Man mußte noch an einer Untersuchung teilnehmen, welche vom SS - Arzt Obersturmführer Entres oder im Falle seiner Abwesenheit vom Sanitätsunteroffizier des Lagers, SS- Oberschar­führer Clair, einem Fleischer aus Breslau , vorgenommen wurde.

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