Das Kommando übernahm Kapo Johnny. Mit diesem Augenblick kehrten die alten Verhältnisse wieder in die SK ein.-:
IX. Kapitel
Anfang November änderte sich unsere Arbeitsstelle. Wir arbei- teten nun nicht mehr in der Kiesgrube, sondern‘ mußten Gräben für Kartoffeln und Rüben ausheben. Weil unsere Arbeitsstätte einige Kilometer vom'Lager entfernt lag und nach Ansicht unserer Vor-
“ gesetzten uns kein Mittagessen verabreicht werden konnte, nahm “nan eine Änderung vor, indem man unsere Abendrationen in Kisten- ‘verpackte und während der Mittagspause an uns verteilte. Unsere Suppe erhielten wir abends. Diese an und für sich unbedeutende Änderung gab unseren Kapos und Vorarbeitern. Gelegenheit zu neuen„Heldentaten‘. Die Verteilung des Brotes befand sich natür- lich in ihrer Hand. Und. für Brot konnte man im Lager fast alles kaufen: Zigaretten, Fett, Seife und sogar Schnaps.
Man begann uns zu schikanieren. Es wurden einige„Arbeits-: . aufseher“- bestimmt, welche zwischen den Gruppen der arbeitenden Häftlinge hin und her gingen und nach’ eigenem Gutdünken die
‘ Nummern derjenigen aufschrieben, welche bei der Arbeit angeblich faul waren. Die Inhaber dieser-Nummern wurden vor der Brotver-° teilung aufgerufen und in einer Gruppe gesondert zusammengestellt. Man gab ihnen zur-Kenntnis, daß ihnen zur Strafe die Lebensmittel- rationen entzogen würden. Die Anzahl derer, die täglich auf diese
_ Weise bestraft wurden, überschritt immer fünfzig. Dazu kam noch‘ die Anzahl. der täglichen Opfer, so daß der durchschnittliche Er winn‘ an Brotrationen'ungefähr achtzig betrug.‘
Einer. der Neuzugänge, der auf diese Weise fast seiner ganzen Tagesration beraubt worden war, begab sich entgegen unseren Rat- schlägen mit einer Beschwerde zum Kommandoführer. Der Ober- scharführer Edelhardt betrachtete seine Beschwerde als Versuch einer Meuterei und erschoß ihn als abschreckendes Beispiel vor der gänzen Kompanie. Seit diesem Tage waren sämtliche, Bestraften „sehr zufrieden“.
Wir mußten jetzt viel schneller arbeiten, als wir es ohnehin gewohnt-waren. Um die Aufsicht zu erleichtern, teilte man uns in kleinere Gruppen zu je zehn Mann, mit einem Vorarbeiter an der°
‚ Spitze. Jeder Häftling hatte täglich ungefähr zwanzig Kubikmeter -Graben auszuheben. Das war eine Arbeit, die man selbst bei An-
“ spannung aller Kräfte nicht schaffen konnte. Denn alle waren durch den bisherigen Aufenthalt im Lager so heruntergekommen, daß wir
4 Mütze ab 49


