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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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,, Nein. Ich bin nur ein Mensch."

,, Darf ich schon wegtreten?" fragte Karl plötzlich. ,, Geh!"

Dachdecker entfernte sich langsam. Sofort umringten ihn seine ,, Kameraden"..

,, Was wollte er von dir? Was war denn dort los? Hat er dich geschlagen?"

,, Ein verrückter Hund!" gab Karl zur Antwort. ,, Er wollte mich zur, Liebe zu den Juden, Polen , Russen und anderen Mistvölkern bekehren. Eine Familie sollen wir gründen... Ha, ha, ha!"

Karl lachte herzlich auf bei diesem Gedanken.

,, Ein komischer Heini", fügte er noch hinzu.

,, Na, so was!" Reinhold war, darüber ebenfalls sehr empört.. ,, Ich bin der Meinung, du müßtest dies sofort dem Kommando­führer melden."

Karls Finger tippten seinen eigenen Kopf.

,, Das ist übrigens eine gute Idee. Vielleicht gelingt es, diesen verrückten Kerl auf diese Weise zu erledigen. Wenn ihm so die Oberkapobinde weggenommen würde, möchte ich ihn gern in meine Gruppe bekommen." Karl lächelte über seinen Einfall.

,, Gehen wir!"

Sie begaben sich zur Bude. Kurz darauf hörte man ein Rufen: ,, Oberkapo zum Kommandoführer!"

Inzwischen wurde jedoch Teo über die Absichten der Schergen von anderen Häftlingen benachrichtigt. Er ordnete seine Kluft, rückte seine Mütze zurecht und drückte den Nächststehenden die Hände.

,, Ihr braucht euch um mich nicht zu sorgen! Es wird mir nichts geschehen. Ich habe einen guten Rückhalt."

Nach einiger Zeit kam er zufrieden und lächelnd zurück. Wir umringten ihn sofort.

,, Na, wie war's?"

,, Ich habe euch doch gesagt, daß mir nichts geschehen wird, alles in Ordnung!"

Seit diesem Vorfall herrschte in der SK eine ganz andere Atmo­sphäre. Teos Einfluß war wirklich groß. Das Schlagen hörte fast gänzlich auf, die Appelle waren kürzer als bisher. Nach getaner Arbeit hatten wir tatsächlich Freizeit.

Und das Wichtigste: Die Lebensmittelrationen wurden ehrlich ausgeteilt. Teo sah alles und war überall. Die anderen Kapos stellten sich damit zufrieden und hörten auf, sich öffentlich zu wider­setzen. In ihren schwarzen Seelen jedoch schwuren sie Rache.

Dieses Idyll dauerte einige Wochen, bis Teo eines Tages er­krankte und ins Lazarett getragen werden mußte.

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