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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
Entstehung
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An der Wand stand eine große Kiste mit Gasmasken. Man ver­teilte sie schnell unter uns.

Nach drei Minuten standen wir schon mit angelegten Gasmasken bereit. SS- Oberscharführer Clair stellte noch fest, ob jedem die Gas­maske auch gut anliegt.

All das ging so schnell, daß wir keine Zeit hatten, Gedanken zu fassen. Wir schauten einander nur dumm an, ohne von dem ganzen Geschehen etwas zu verstehen.

Unsere ,, Uniformierten" legten ebenfalls Gasmasken an. Wacek und der Bunkerkapo Kurt Pennewitz liefen mehrere Male nervös zum Block und zurück, sprachen dort mit Palitsch, dieser schüttelte unwillig den Kopf, die beiden liefen zurück, und so ging es hin und her.

Schließlich zogen alle SS - Männer die Pistolen hervor. In der Hand von Palitsch blitzte feindlich der verchromte Lauf einer Ma­schinenpistole.

,, Die wollen uns erschießen!" war unser erster Gedanke. Unsere Kehle schnürt sich zu, die Augenlider beginnen zu brennen. Die Luft in der Maske ist dick, man kann sie nur schwer einziehen.

Unwillkürlich rücken wir enger aneinander. Jemand versucht, die Maske herunterzureißen. Er bekommt dafür mit dem Pistolen­kolben einen Schlag auf den Hals und fällt zu Boden. Die Sekunden vergehen unheimlich langsam.

Sie schießen nicht! Noch nicht...

Vielleicht werden sie uns gar nicht erschießen?

Dieser neue Gedanke beruhigt mich, ich schaue mich um. Die SS - Männer halten schußbereite Pistolen in ihren Händen, schießen jedoch nicht.

Palitsch winkt Wacek mit der Hand.

,, Los! Anfangen!"

Der Stubenälteste kommt zu uns gelaufen.

,, Keine Angst haben, folgen!" Er wendet sich zum Block. Wir laufen ihm nach, uns folgen Palitsch, Stark und noch irgendein SS­Mann. Ich befinde mich ziemlich am Ende unserer Gruppe. Der Lauf eines ,, Schießeisens" des Hintermannes berührt meinen Rücken. Ich dränge mich vor und gehe unmittelbar hinter Wacek her.

Dieser steigt die Treppe herunter. Für einen Augenblick halten wir... alle... Bunker!... Die SS - Männer geben uns aber keine Zeit zum Überlegen. Am Ende der Gruppe liegt schon jemand. ,, Los! Los!"

Wacek hält vor der Bunkertür. In der rechten Hand trägt er eine Axt. Er nimmt sie in die linke Hand und holt mit der rechten einen Schlüssel aus der Tasche.

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