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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
Entstehung
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Überlebenden und die Toten. Die Häftlinge der letzten Reihe nah­men die Leichen auf ihre Schultern, und Kapo Johny, der sich an die Spitze des Zuges stellte, gab den Befehl:

,, Im Gleichschritt... marsch! Singen!"

Die hölzernen Pantinen polterten auf den Steinen und bis zum Himmel drang das Lied: ,, Die blauen Dragoner, sie reiten..."

Der Abendappell war ausnahmsweise kurz; er dauerte nur eine Stunde, und wir gingen auf unsere Stuben. Ein wenig heißes Wasser von brauner Farbe, eine Portion Brot, die zugunsten der Kapos und der Vorarbeiter bedeutend gekürzt war und das Gewicht von zwei­hundert Gramm nicht überschritt, eine mikroskopische Portion Mar­garine, mit der man bei einiger Geschicklichkeit manchmal eine halbe Scheibe Brot dünn schmieren konnte das war unsere Tages­ration. Mittags gab es noch dreiviertel Liter Suppe, das heißt Was­ser, in dem einige Rüben oder Krautscheiben schwammen. Nur die Glücklichen fanden gelegentlich auch eine Kartoffel darin.

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Seit dem Beginn meines Lagerdaseins war ich gewöhnt, das Brot für den Abend und für den Morgen einzuteilen. Aber an diesem Tag verschlang ich alles auf einmal. Dann legte ich mich vorsichtig ins Bett. Mein Nachbar war der Danziger Ali Kwasigroch, welchen Reinhold während der Arbeit noch genauer aufs Korn genommen hatte als mich.

Erst jetzt kamen mir die Tageserlebnisse zum Bewußtsein. Das gewohnte harte Bett schien mit Steinen ausgelegt zu sein. Der Körper schmerzte bei der leisesten Bewegung, das Herz schlug schnell, das Fieber begann zu steigen...

Ich wurde mir bewußt, daß ich den morgigen Tag nur dann über­stehen konnte, wenn ich früh zum Aufstehen und im übrigen zur ganztägigen Arbeit wieder fähig sein würde.

Die Muskeln, mit Reinholds Stock zum Beefsteak zerschlagen, werden aber bis morgen hart wie Stein sein, dachte ich. Von einer Arbeitsfähigkeit wird keine Rede sein...

Behutsam begann ich zu massieren. Ali tat dasselbe.

In der Stille der Nacht, während es im Saal ganz dunkel war, kneteten wir lange und genau den zerschlagenen Körper.

Plötzlich hörte ich den Danziger flüstern:

,, Hör mal..."

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, Was denn?"

,, Es wäre gut, wenn wir uns so zuletzt-Umschläge machen würden..."

,, Die Stube ist verschlossen, wir kommen nicht in den Wasch­raum..."

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,, Hm..."

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