Als wir fast am Ende unserer Kräfte waren, wurden Mitternacht vom
wir plötzlich um
Wege abgetrieben
und hinuntergetrieben in ein kleines Waldtälchen. Der Boden war schlammig, Schnee und Regen durcheinander. Auf dem Talkessel fanden wir schon ein paar hundert Jüdinnen vor, die, ebenfalls zu Tode erschöpft, auf dem blanken Boden lagen. Wir sanken hin, ein jeder wo es sich gerade traf, hier ein Russe, hier ein Priester, hier ein litauischer Jude oder eine Jüdin. Dazu war die Nacht stockfinster. Wir konnten die Hand vor den Augen nicht sehen. Auf dem Talgrund versuchte man durch einige Feuerchen etwas Licht hervorzubringen, doch ließen der Regen und die Feuchtigkeit dies kaum zu. Die SS trieb uns mit wütenden Kolbenschlägen auf engstem Raum zusammen. Hier lagerte dann ein jeder, wie er konnte, d. h. es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich auf den nassen Boden zu legen. So tat auch ich. Meine nunmehr einzige Decke, die völlig durchfeuchtet war, notdürftig um mich schlagend, legte ich mich mit einigen Kameraden, Priestern, möglichst eng zusammen. Aber die Kälte weckte mich nach etwa einer Stunde schon wieder auf. Doch blieb ich vor Erschöpfung einfach liegen bis zum grauen Morgen. Hier war es, wo wir uns allesamt schon eine Erkältung des Unterleibs zuzogen, denn der tauende Schnee sank unaufhörlich hernieder. Es tropfte von den Zweigen und es floẞ am Boden.
Ich muß hier noch etwas nachholen. Da wir allmählich gemerkt hatten, daß dieser Marsch, noch einige Tage fortgesetzt, unsere Gesundheit, wenn nicht unser Leben kosten würde, hatten wir, d. h. mein Provinzial und ich, uns gesagt: so oder so gehen wir doch dem Tode entgegen, wir versuchen also, falls wir wirklich weitergetrieben werden, auszureißen. An dem Nachmittag nun, als wir nach Königsdorf getrieben wurden, kam P. Provinzial zu mir wäh
152


