Druckschrift 
Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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Vorwort

Ein persönlicher Erlebnisbericht ist dies, keine Chro­nik. Ich schrieb ihn kurz nach meiner Befreiung für das Provinz- Archiv. Mit anderen Berichten sollte er Unterlage für eine Geschichte unserer Provinz im Dritten Reich sein. Damit ist seine Grenze gezeigt: er bringt einen Ausschnitt, ein Einzelschicksal und nennt die andern nur von dieser Sicht her. Andere haben länger und mehr gelitten, sicherlich noch auf­regendere Situationen erlebt, standen auch mehr in der Strudelmitte der Ereignisse, die um unsere Pro­vinz und um Schönstatt brandeten. Der Bericht war darum auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und sollte nicht die übliche Kz.- Literatur vermehren. Aber nachdem gute Freunde ihn im Ausland in die Öffentlichkeit gebracht hatten, mag er auch im In­land dem engeren Freundes- und Bekanntenkreis zur Verfügung stehen.

Den Bericht veranlaßte neben der genannten Absicht noch ein Zweites: Der Dank, der mich sprechen läßt: Misericordias Domini et Dominae in aeternum cantabo!

Dieses Wort würde wohl zu einem mächtigen Jubel­chor, wenn alle anderen ihren Weg berichten würden. Es ist wohl keiner, der es nicht erlebt hätte und dankbar bekennt.

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Einer der Mitbrüder auch er einer, der lange Zeit im Gefängnis war meinte: Der Bericht liest sich so spannend, daß ich den Eindruck habe, man vergiẞt darüber das Dunkle und Schwere, was da genannt ist". Richtig! Aber das wird wohl nie einer nach­fühlen können. Was ist schon gesagt, wenn man in dürren Worten und Zahlen berichtet: ,, in dem Winter von 1944 auf 1945 starben im Lager bei 15 000 Men­

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