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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
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Deutlich erinnere ich mich des blutüberströmten Gesichtes und wie ich ihm innerlich bedingungsweise die Absolution gab.

Auch uns wurde das letzte Päckchen mit einigen unsere letzte­Brotstückchen und Zwiebäcken

Habe gestohlen.

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Ebenfalls entdeckte ich, daß mir meine letzte Decke gestohlen war. Ich sah sie aber in der Nähe, stürzte darauf zu, ergriff sie und geriet alsbald in einen hef­tigen Streit mit ein paar Kapos. Diese waren, offen­bar durch die SS ermuntert, in den letzten Tagen wieder hochgekommen, während sie vorher wegen ihres bösen Gewissens merkwürdig kleinlaut ge­worden waren. Ich hielt meine Decke krampfhaft fest und erhielt von einem einen wuchtigen Schlag ins Gesicht. Ich hätte mich eher totschlagen lassen, als die Decke herzugeben.

Kapo R., ein in Dachau berüchtigter Schläger, von dem man wußte, daß er nicht wenige umgebracht hatte, kam auf mich zu und sagte: Wenn du jetzt nicht ruhig bist, dann stoße ich dir das Messer zwi­schen die Rippen, und du mußt nur nicht meinen, das wäre ein Scherz von mir. Das haben wir ganz schnell. Du bist nicht der Erste, den ich hinüber­befördert habe. Und merke dir nur, Bürschchen, zwischen uns beiden ist's noch nicht aus." Ich merkte, daß er im nächsten Augenblick fähig gewesen wäre, seine Drohung wahr zu machen. Sowieso wurde das Raufen und Schlagen in jeder Minute schlimmer, denn die SS kümmerte sich garnicht mehr darum, wie es im Innern des Lagerplatzes zuging. Sie hatte nur einen dreifachen Kordon um das Lager gestellt.

Am Montag wurden wir wieder aufgetrieben

Kurz vorher war der schon erwähnte Wehrmachts­offizier H. wieder in einem LKW. erschienen, zusam­men mit einem Vertreter des Landrates. Er hielt vom LKW. aus eine kleine Ansprache an uns. Wir

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