Ich weckte den P. Provinzial. Der glaubte die ganze Sache nicht recht und packte vorsichtig erst noch die wenigen verbliebenen Sachen zusammen. Ich lief in- zwischen zum Wagen. Durch das Auftauchen weiterer Häftlinge war die wachhabende SS inzwischen un- ruhig geworden und drohte_zu schießen. Ich lief nochmals zum P. Provinzial zurück. Aber inzwischen mußten sich P. Pies und seine Helfershelfer ent- schließen, sofort abzufahren, damit das ganze Unter- nehmen nicht vereitelt würde. Und als ich zurück- kam, war der Wagen abgefahren. Wir hatten die letzte’Gelegenheit zu unserer Be- freiung verpaßt. Immerhin hatte P. Pies für alle Deutschen Brot gebracht.
Bere hattenmin den letzten Tagen näm- lich nur!ı Brot, etwa 20 g Margarine und ein Scheibchen Käse als gesamte Tagesration an Essen erhalten. Durch P. Pies war es möglich, jedem Deutschen nochmals 1/;s Brot und!/2 kleine Konservendose Fleisch zu geben. Wir mußten dieses heimlich tun, denn hätten die Russen dieses gemerkt, wären sie nicht zu halten gewesen und es hätte Mord- und Totschlag gegeben. P. Provinzial wurde von den Deutschen mit dem unangenehmen Amt des „gerechten Verteilers“ betraut. Aber für alle Ge- fangenen hätte es ja auch nicht im entferntesten gelangt.
Inzwischen war auf diesem Lagerplatz die Nervosität der Leute immer mehr gestiegen.
Alle Augenblicke passierteirgend etwas.:
Dann entdeckte einer, daß ihm etwas gestohlen war, dann faßte man einen und prügelte ihn halbtot oder -ganz tot. Mit eigenen Augen sah ich, wie man einen Deutschen , der einen Rucksack genommen, in bru- talster Weise— wenige Meter von mir entfernt— erschlug und die Leiche dann auf die Wiese hinaus- schleifte, wo die 8000 ihre Bedürfnisse verrichteten.
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