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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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Wir verlassen also endgültig das Lager Dachau und es sind eigentümliche Gefühle, als wir das große Eisentor passieren. Freude kommt aber nicht auf, da wir ja in die völlige Ungewißheit hineinschreiten. Der Weg geht nach München - Allach.

Schon die ersten Kilometer zeigen uns, wie un­gewöhnt wir des Marschierens sind, und lassen uns ahnen, was unser harrt.

Wiederum ein kleines Erlebnis.

Ein Radler in einem Lederol- Mantel fährt langsam unsere Reihe entlang. Plötzlich entdeckt er uns Priester, springt ab und es stellt sich heraus, daß es ein vor kurzem entlassener Dachauer- Priester ist. Leise tauschen wir mit ihm Frage und Antwort. Er­fahren, daß der Amerikaner schon in der Gegend von Freising steht und sind nun zwischen Hangen und Bangen, ob wir vielleicht doch noch befreit wer­den, oder ob es der SS gelingen wird, uns vorher aus der drohenden Umklammerung herauszutreiben. Von Stunde zu Stunde werde ich müder. Schließ­lich bin ich dermaßen erschöpft, daß jeder noch so kleine Aufenthalt mich in den Straßengraben hinsinken läßt. Ich habe Blasen an den Füßen. Ich merke, wie rechts und links die Leute schlapp werden. Bei einer längeren Pause schenke ich 3/4 meines Rucksackes weg, weil ich ihn nicht mehr tragen kann. Wir marschieren in dieser Nacht gegen 44 km auf Umwegen, durch München- Pasing, wieder Fliegern ausweichend, bis kurz vor Starnberg. Am Morgen bin ich halbtot.

Auch P. Provinzialist arg mitgenommen. Wir wanken nur noch apathisch dahin. Im Morgengrauen sehe ich die ersten Toten unserer Kolonne am Wegrand liegen. Ich zähle fünf, davon mindestens einer mit Kopfwunde.

Aber man ist so erschöpft, daß man das nur stumpf zur Notiz nimmt. Der Marsch wird immer lang­

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