Pfaffen sagen, was man will, aber das Volk haben sie hinter sich, das sieht man an ihren Paketen". Das gab dem Priesterblock Gelegenheit zu einer großzügigen caritativen Tätigkeit. Aber, was man auch schenkte: gegen die zehntausend Hungernden des Lagers war es nur wenig. Und was der Hunger da bedeutet, sei in einem kleinen, kennzeichnenden Erlebnis aufgewiesen:
Des Mittags wurde die Lagersuppe in Thermophoren vor die einzelnen Blocks gestellt. Seinerzeit war es die Aufgabe der Priester gewesen, diese schweren, gefüllten Thermophoren im Laufschritt von der Lagerküche zu den einzelnen Blocks zu tragen- eine Arbeit, von der ältere Häftlinge immer noch mit Schaudern erzählten. Als später die Priester in die Arbeits- Kommandos eingegliedert wurden und Russen diese Arbeit übernahmen, waren auf einmal gedrungene, breite Wagen bereit, um sie zu fahren, der sogenannte„ Moor- Expreẞ".
Die leeren Thermophoren wurden wieder an die Block- Pforte gestellt. Man kann sich darauf verlassen, daß sie nach besten Kräften ausgekratzt waren. Gleichwohl fiel jeden Mittag und Abend eine Truppe von hungernden Russen, Polen und anderen über diese leeren Thermophoren her und suchte sie mit Holzstücken und Ähnlichem noch einmal auszukratzen. Das war nun streng verboten mit der Begründung: dadurch würden Seuchen übertragen. Infolgedessen fiel die Lagerpolizei rücksichtslos über diese armen, hungernden Menschen her und prügelte nur so darauf los. Und ich sah, wie einer, der den aushebbaren Einsatz dieser Thermophore hielt und auskratzte, sich gleichgültig den Buckel verprügeln ließ und weitermachte in seinem Geschäft- obgleich die Lagerpolizei gewiß nicht schlecht geschlagen hat. Ein anderer versuchte, mit dem Einsatz zu fliehen und fiel der Länge nach auf schlammiger Lagerstraße. Seine Prügel bekam er obendrein.
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