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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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wenn

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Nacht für Nacht sieben-, ja neunmal hinaus mußte; die Leute auf dem wie es 1942 vorkam Appellplatz nicht mehr Herr ihrer Gedärme waren und dann mit Fieber einfach in dem Waschraum mit Schrubber und Bürste behandelt wurden; erst recht aber, wenn sie, wie es beispielsweise auf Block 30 geschah, sich selbst überlassen blieben und buchstäb­lich im eigenen Schmutz verkamen.

Ein Benediktiner - Abt starb buchstäblich auf dem Klo sitzend, wohin ihn die Mitbrüder gebracht hat­Einen Jesuitenpater sah ich dort auch im er­bärmlichsten Zustand. Wenige Stunden später war er tot. Auf Block 30 war es so, daß sie überhaupt keine Matratzen mehr hatten und auf dem rohen Holz liegend dem Tode entgegenröchelten; und das dort zu Hunderten.

Neben dem Durchfall, der Hungerruhr oder dem Bauchtyphus waren die Phlegmone eine häufige Krankheit: fressende Geschwüre, zum Teil bösartig wuchernd, zum Teil lokal beschränkt, die aber monate- und jahrelang nicht zum Heilen ge­bracht werden konnten. Viele Häftlinge, darunter auch Priester, hatten Arm oder Bein verloren um solcher Phlegmone willen, so ein slowenischer Prälat M., dessen rechter Arm amputiert werden mußte, weil er nicht ins Revier zugelassen wurde; oder der Priester Sch., dessen Bein verloren ging, wegen der groben Nachlässigkeit des behandelnden SS- Arztes. Beim Bad sah man manchmal Russen, deren Körper über und über bedeckt waren mit den dunkelbrau­nen, großen Narben solcher Geschwüre. Viele starben auch daran. P. Fischer laborierte über ein Jahr, ich selber monatelang an solchen fressenden Ge­schwüren.

Hier wäre anzufügen, daß die Krankheiten noch ver­mehrt wurden durch die Versuchsstationen an lebenden Menschen, ein dunkles Ka­pitel der Kz's und Dachaus. In Dachau waren es be­sonders drei Arten von Versuchen, die an Gefangenen

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