an Feiertagen, weil dann alle den ganzen Tag da- heim sind. In der Nacht ist es gleichfalls sehr schlimm. Die meisten sind alte Herren, viele mit Alters- gebrechen, viele krank, erkältet sind alledurch die Bank und allein die Luft in dem Schlafsaal ist eine unerträgliche Tortur. Wer z.B. gezwungen ist— und dazu gehöre auch ich— im 3. Stock zu hausen, in den dumpfen, fürchterlich schwülen Som- mernächten, die aber gegen Morgen in Dachau plötz- lich in eine unangenehme Kühle umschlagen, der ist besonders übel dran.
Drei Tage bin ich auf dem Block, da kommt die erste unangenehme Überraschung. Ich hatte gehofft, noch etwas von der Arbeit verschont zu bleiben, um mich etwas zu erholen, werde aber an diesem dritten Tag
zur Arbeit geholt
und zwar zur Gärtnerei außen. Mit etwa 25 anderen zusammen bilden wir unter einem Priester als Kapo ein Sonderarbeitskommando. Ich werde nun umgekleidet ins sogenannte Zebra, in die blau- weiß-gestreifte Häftlingskluft, die alle jene tragen, die außerhalb des elektrischen Drahtes arbeiten. Das gesamte Kommando beträgt etwa 180 Mann. Die Arbeit wäre an sich nicht schlecht gewesen, wenn ich nicht— und viele meiner Mitbrüder— völlig heruntergekommen gewesen wären.
Wir mußten eine Straße bauen und zunächst Rasen stechen und Erde fortfahren in kleinen, plumpen Handkarren. Es wurde zwar nicht übermäßig ge- trieben, weil ja unser Priester-Kapo einen Schutz bot, gleichwohl fiel mir die Arbeit ungemein schwer und ich war in den ersten Tagen und Wochen völlig erschöpft. Besondere Qual bereiteten mir dabei noch die Holzschuhe, in denen ich nur mit großen Schmer- zen gehen konnte. Immerhin, dem Gefängnis gegen- über war die Arbeit gesund. Allerdings war das Dachauer Klima tückisch. Ein Hochmoor, das immer
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