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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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vom Gebirge her von einem kalten Wind bestrichen wurde. Auf einen glühend heißen Sommertag folgte unmittelbar wieder Regen und Wind. Auch bei schlechtem Wetter mußten wir arbeiten. Das Zebra- Zeug war dünn und wir froren darin sehr, doch an die Arbeit hatten wir uns auf die Dauer gewöhnt.

Darhatrte ich Pech

und wurde nach ein paar Wochen in das Kommando Liebhof überstellt. Der Liebhof war eine Versuchsanstalt und wir wurden alsUn- kraut-Kommando eingesetzt. Auf riesigen Majoran- und Bohnenkrautfeldern hatten wir mit den Händen das Unkraut auszurupfen, immer auf den Knien liegend. Zunächst einmal war hier ein ge- meiner, tückischer Verwalter tätig und der Kapo war ein wüster Schläger und Schreier, eine ihm willig ergebene Kreatur. Er hetzte und trieb ohne Unterlaß, man durfte sich nicht einmal auf die Hacken setzen, geschweige denn aufstehen und so mußten wir von morgens 6 bis abends 6 Uhr mit einer Stunde Mittagspause, von der allerdings Ab- märsch von etwa 20 Minuten abgerechnet wurde. Immer und eintönig das Unkraut rupfen, bei Sonne oder Regen und jedem Wind und Wetter. Mich schmerzten nach ein paar Tagen die Knie unerträg- lich und ich kam, wenn ich morgens in der Messe eine Kniebeuge machen wollte, nicht mehr vom Bo- den hoch, dazu die böse Treiberei. Oft und oft kam es vor, daß wir gänzlich durchnäßt mit triefenden Kleidern zu Hause ankamen. Dann blieb uns nichts anderes übrig, als die Kleider am Leibe zu trocknen, denn Ersatz hatten wir nicht; und so waren die Kleider oft tagelang feucht. Wenn dann noch der Wind von der Seite blies und man sich auch nicht durch Bewegung Wärme verschaffen konnte, die

_ Pflänzchen waren millimetergroß und das Unkraut

entsetzlich stark und verwachsen, so kam man oft in recht verzweifelte Stimmung. Dieses Unkraut-

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