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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
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der mich abholte, sichtlich verduzt. Er mußte wohl denken: das muß aber ein hoher Herr sein, und so bekam ich einen extra Fensterplatz in der Minna. Dies ermöglichte mir, das völlig zerschossene Frank- furt zu sehen auf der Fahrt und ich mußte wieder feststellen, wie geradezu wunderbar wir in der UHA beschützt worden waren. Am Hauptbahnhof wurden wir in ein Verließ unter Tage gesperrt. Schmutzig über die Maßen war es. Und hier waren meine künf- tigen Transportgefährten. Zunächst sah man nur eine Menge unrasierter Gesichter, bleiche, abgezehrte Gestalten, heruntergekommene Anzüge, und es hätte unsjederfüreine Versammlung von Schwerverbrechern halten müssen. Bald aber gliederte sich diese Menge und man macht Bekanntschaften untereinander. Da war dann der Ingenieur H., Luxemburger, der nach Mauthausen kam. Da war der Operettentenor und Leiter der Abteilung für Operette an der Rawag, Viktor Fl., der seinerzeit mit Richard Tauber zu- sammen dasDreimäderlhaus aus der Taufe ge- hoben hatte, Jude und eine internationale Berühmt- heit. Da war Georg B., ein Kaukasier vom reinsten Wasser, dawaren zwei Bürschchen Iwan und Fedor Ni- lolaiewitsch D., 16 und 18 Jahre alt, die einen sehr sauberen Eindruck machten und viele andere. Wir wurden dann von einer Eskorte Polizisten abgeholt und durch die gaffende Menge zum Bahnhof geführt und hier in den Gefängniswagen geladen. Zu viert und sechst hatten wir eine kleine Zelle mit vergit- terten kleinen Fensterchen. Am Morgen dieses Tages war ich mit zwei Luxemburgern zusammen, mit In- genieur H. und einem gut katholischen Jungmann namens B. H. war ein hochgebildeter Mann, hatte im Kongo gearbeitet, war Mitglied einer illegalen Organisation gewesen. Er sagte zu mir:Ich gehe nicht unschuldig. Ich weiß, wofür ich nach Maut- hausen komme, aber ich finde es für eine Unver- schämtheit und Ungerechtigkeit, daß man mich, den Luxemburger, wegen Hochverrates verurteilt.

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