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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
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,, Der Herr erhöre dich am Tag der Trübsal.... Deine Opfer möge segensschwer er machen... Ich weiß, der Herr errettet den Gesalbten.

Mit Roß und Wagen mögen andere sich brüsten.... Zu Falle kommen sie und stürzen, wir aber Richten uns empor und stehen fest".

So, das hatte mir also Gott gesagt, so sprach ich zu mir und eine große Ruhe kam über mich. Endlich die Entscheidung nach 15 Monaten. Zufällig wurde gerade in dem Augenblick, als ich vom Arzt kam, mein Mitbruder P. Karl Friedrich, zum Spazier­gang auf den Hof geführt. Ich konnte ihm zuflüstern: ,, Dachau !" So war er im Bilde. Die Untersuchung auf Lagerfähigkeit wurde von einem SS- Arzt in der Weise durchgeführt, daß er mit spitzem Finger meine Hand nahm, die Innenfläche 2 Sekunden be­trachtete und sich dann wortlos wieder seiner Liste zuwandte. Das war alles.

Es sollten aber doch noch Wochen vergehen, ehe ich wirklichen Bescheid über meine Zukunft bekam; denn bis jetzt war ich ja nur auf Vermutungen an­gewiesen. Auch der Arzt hatte sich in keiner Weise geäußert. Ich hatte mich gut in mein neues Amt als Strumpfstopfer eingelebt und mein ,, Engel" wurde von Tag zu Tag kühner.

An einem Dienstagmorgen nach eben jenem Mai­Sonntag, an dem ich nachmittags meine letzte Messe im Gefängnis gelesen hatte mit der geschilderten abenteuerlichen Rückfahrt zu meiner Zelle, kommt plötzlich der Engel" und ich sah, daß ihm die Tränen über die Wangen liefen. Er hält ein Akten­stück in der Hand und platzt ganz betrübt heraus:

,, Da, nun kommen Sie doch nach Dachau !"

und er zeigte mir, was er eigentlich nicht tun durfte, den Akt, auf dem kurz und bündig vermerkt ist, daß ich am 11. Mai über Nürnberg nach Dachau trans­

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