Druckschrift 
Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
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Und es kommt der Tag, und ich weiß es gewiß, Da werden die Tore der Welt aufgehn: Die mich hielt, die letzte Kette zerriß, Und ich werde vor meinem Gotte stehn. Welt, Schuld und Leid und Zeit versinkt, Des Raumes Kerker: vorbei, vorbei! Und die Seele ein seliges Wissen trinkt, Daß hier, erst hier die Heimat sei. Dann bin ich frei!

Auch in den furchtbaren Bombennächten ist Fritz, der während dieser Zeit als Sanitätsmann aus seiner Zelle ausgeschlossen wird, immer wieder an meiner Zelle, unterrichtet mich von allem und verspricht, daß er bei etwaigem Unglück die Zellentür sofort sprengen will. Eines Nachts sehe ich, wie er mit "einem Besen di& schrägen Blindfenster vor meiner Zelle zerschlägt und mir dadurch freie Aussicht auf den Hof verschafft. Das hatten natürlichdie Bom- ben getan.

So war er immer um mich besorgt und aus dieser Freundschaft heraus entstand folgendes Gedichtchen:

Freund im Glück? Hundert Stück! Freund im Leid? Kostbarkeit!

Wo Liebe brennt, Nichts je trennt. Wen Gott dir eint: Wahrer Freund!

Erwähnen muß ich hier die drei letzten Großangriffe. Diese Angriffe der erste in der Nacht vom 18. zum 19. 3. waren in ihrer Ausdehnung die schlimmsten und haben den inneren Teil der Frank- furter Stadt völlig niedergelegt. Die Panik im Ge- fängnis war dementsprechend und ich muß gestehen, daß auch mir in der halben Stunde, da ich unter dem Fenster kauerte, weil ich mich wenigstens vor Splittern hier am sichersten fühlte, das Herz hörbar pochte und ich die physische Todesangst erlebte,

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