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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
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RIES TEDE

derum Suppe mit Brot, und Dr. Sch. konnte es nicht unterlassen, mir einen Brotnachschlag zuzustecken, und auch das habe ich noch bewältigt. Aber ich dachte doch am Abend: ‚Lieber, ehrwürdiger Stifter Vin- zenz Pallotti(es war ja, wie gesagt, sein Todestag, also ein Fest unserer Gesellschaft), lieber Vater Vin- zenz Pallotti, wäre es nicht besser gewesen, wenn Du Deine Gaben ein klein wenig mehr verteilt hät- test? Aber das Wunderbarste war doch dies: nicht mal einen verdorbenen Magen habe ich mir geholt. Man wollte überhaupt in der Folgezeit mich in kür- zester Frist wieder auffüttern. Es gab Nachschlag auf Nachschlag, und in drei Wochen holte ich im Ge- richtsgefängnis 16 Pfund auf. Dr. Sch. meinte aller- dings, ich hätte auch furchtbar ausgesehen und hätte, so wie ich war, nicht mehr lange weiter- gemacht. Und das ist wohl möglich, denn mein Ge- wicht war ein Beträchtliches unter 100 Pfund ge- sunken.

Inzwischen stellte sich auch WachtmeisterEngel wieder ein. Das gab eine frohe Begrüßung, und ich nahm sofort meine alte Arbeit wieder auf. Er sorgte wahrhaft väterlich für mich. Jeden Mittag organi- sierte er für seine Arbeiter, die er beschäftigte, in der Küche einen Essensrest, und dann hörte ich sei- nen eiligen Schritt, die Tür ging auf und es hieß: Los, die Schüssel her! Und sobald Gustel zum erstenmal dagewesen war, kam er tagtäglich mit einem oder mehreren wohlgeschmierten Butter- broten. Dann und wann auch mit einem süßen Gruß von den Schwestern aus dem Carlshaus. Dieses Carlshaus entwickelte sich in der Folge zum Ver- schwörernest. Dort in der Klausur der Schwestern trafen sich der Engel und die Verwandten, dort fand der Tausch statt. Und auch noch anderweitig sorgte der Engel wieder. Er brachte mir oft und oft die hl. Kommunion. Dann wagte er schließlich noch ein Letztes.

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