geschleppt, der aus irgendeiner Baugrube geschaufelt wurde. Hier lagen an jedem Morgen in Decken gehüllt die Leichen der über Nacht in den Baracken verstorbenen Kameraden. Tot, leer und stumm war alles, die Ruhe eines lebendigen Grabes lud allem Geschehen ihre drückende Last auf und entrechtete unsere Herzen.
Es gab in den Jahren meiner Haft wohl kaum einen Tag, an dem ich nicht wenigstens einmal an die Möglichkeit einer Befreiung aus dieser Lagerhölle gedacht hätte. Wir lebten ohne Hoffnung, und die Zeichen der Freiheit verwandelten sich für uns in ein Sinnbild der Tücke und ließen uns die Aussichtslosigkeit unserer Lage noch fühlbarer werden. Darum machten uns die Vögel das Herz schwer, die über uns hinweg nach dem nahen Walde flogen, denn sie erinnerten uns an die lähmende Last, die wir als bodenverhaftete Kreaturen zu tragen gezwungen waren, die uns daran hinderte, dieses Mauerwerk zu verlassen, und uns jeder erdenklichen Willkür preisgab. Uns bedrückten die ragenden Wipfel der Bäume, die uns an das blühende Leben des Waldes gemahnten, darin Myriaden kleiner und für das Auge so unscheinbarer Lebewesen sich ihrer von Gott gegebenen Freiheit erfreuten, und wir erzitterten und froren beim Lachen der Kinder, das manchmal von irgendwo an unsere Ohren drang, denn es schien uns ein spottender Laut aus den Regionen jener reineren Welt, die man uns genommen hatte. Wenn über uns in der Bläue des Abends eine Wolke dahinschwamm, wie ein Segler auf großer Fahrt, dann errechnete unser Geist den Verlauf ihres Weges und kehrte verzweifelt in dieses Ödland des Grauens zurück. Was kaum einem Menschen da draußen, jenseits der Mauer, versagt war, einmal, und wäre es nur auf die Dauer einer Stunde, allein zu sein mit sich und seinen Gedanken, war hier ein traumhafter Wunsch, dessen Erfüllung kein noch so entschiedener Wille zu erzwingen vermochte.
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