Vorwort des Verfassers
Dieses Buch wurde nicht geschrieben, um Anteilnahme, Bewunderung oder gar Mitleid für seinen Verfasser zu erwecken. Es soll auch keine„ flammende Anklage" sein dazu gebricht es mir an Leidenschaftlichkeit und jenem bodenverwurzelten Haß, der Frauen und Jünglingen eigen. Ich lege keinen Wert darauf, mir eine politische Märtyrerkrone zu schreiben, aber ich bitte, mir die Objektivität, der ich mich befleißige, und die Unbestechlichkeit meines Urteils nicht als Schwäche auszulegen.
Ich stand in den fünf Jahren meiner Lagerhaft der Hölle so nahe wie dem Himmel, daß es mir manchmal schien, der dazwischenliegende Erdenweg sei zu schmal, um ihn ungefährdet begehen zu können. Vielleicht war es eine Art traumwandlerisches Schreiten, das mich zwischen Inferno und Jenseits und über die Illusion eines von Tag zu Tag fragwürdiger werdenden Zieles hinaus einen Weg zur wirklichen Freiheit finden ließ. Vielleicht war es mein starker Glaube an die Unbeirrbarkeit und Gerechtigkeit jener Macht, die auch den Gestirnen ihre Bahnen weist und die wir mit vielerlei Namen denn bezeichnen; vielleicht war es auch nur der„ Zufall" Tausende, die kein geringeres Recht auf das Leben besaßen als ich, mußten zugrunde gehen auf diesem furchtbaren Pfad. Aber was immer es war in der Tatsache meiner Rettung erkenne ich die Verpflichtung zum Kampf gegen die Wiederkehr eines Geistes, der so Beispielloses erfand und vollbrachte.
Herbst 1945
-
-
Arnold Weiß- Rüthel
7


