I
Schriftstellerim Dritten Reich
Am 12. März 1940, vormittags gegen 9 Uhr, wurde ich im Gebäude der ,, Geheimen Staatspolizei" an der Brienner Straße zu München von einem Herrn namens Grimm verhaftet und in das im gleichen Hause gelegene Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Es lag folgender Sachverhalt vor:
Ich bekleidete in den Jahren 1934-38 das Amt eines Schriftleiters der einmal vielgelesenen Münchener Wochenschrift ,, Die Jugend", die der bekannte Publizist und Herausgeber Dr. Georg Hirth wenige Jahre vor der Jahrhundertwende gegründet hatte. Es gehört nicht hierher, die Schwierigkeiten zu schildern, mit denen ich zu kämpfen hatte, um das alte, nicht mehr sehr bewegliche Schiff über Wasser zu halten, es genügt, wenn ich sage, daß die größte Schwierigkeit darin bestand, mit den diktatorischen Maßnahmen fertig zu werden, mit denen die in jenen Jahren herrschende Staatsgewalt ihre Meinungen und weltanschaulichen Grundsätze vertrat und dabei alles zugrunde richtete, was sich ihr in der Durchführung ihrer„ kulturpolitischen" Pläne als hinderlich erwies. Was auch anderen Zeitungen und Zeitschriften, ja, der gesamten deutschen Presse zum Verhängnis wurde: die Forderung einer totalen ,, Gleichschaltung" mit den obskuren Tendenzen der nationalsozialistischen Kulturpolitik, gereichte auch der ,, Jugend" zum Unheil; auch sie gehörte mit zu jenen kleinen Hindernissen, in denen der nationalsozialistische Staat offenbar eine Gefährdung seiner geistigen Sicherheit erblickte.
Schon geraume Zeit vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten hatte sich die Parteipresse veranlaßt gefühlt, sich mit mir zu beschäftigen. Meine Mitarbeit an einer Reihe demokratischer Blätter darunter„ Die Weltbühne “,„ Das Tagebuch" und ,, Der Fackelreiter"-, die Aufnahme meiner
-
9


