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Die Massenexekution russischer Kriegsgefangener, über die ich in Kapitel XVII ausführlich berichtet habe, wurde im April 1942 abgebrochen und auch später nicht fortgesetzt. In den Wintermonaten des Vorjahres war im Lager der Flecktyphus ausgebrochen, der als erste Opfer das Leben einiger SS- Scharführer forderte. Dieses Ereignis, das in den Kreisen der Lagerführung die ärgerliche Erkenntnis erweckte, daß der Tod auch vor dem silbergestanzten Symbol seiner Hoheit- keinen dem Totenkopf auf den Mützen der SS- Angehörigen- Halt machte, lieferte den Anlaß zu durchgreifenden Gegenmaßnahmen. Die totale Entwesung und Desinfektion sämtlicher Lagerbauten und Häftlingskleider wurde angeordnet und durchgeführt. Schutzimpfungen fanden statt, die Inbetriebnahme einer eigenen Entlausungsanstalt und strenge Isolierung der Kranken verhinderten eine Ausbreitung der Seuche. Eine allgemeine Quarantäne wurde verhängt und die Arbeit auf die Dauer dieser Sperre in sämtlichen Betrieben eingestellt. In dieser Zeit wagte sich kaum ein SS- Mann in das Lager, was bei uns die Angst vor der Seuche herabsetzte und die Stimmung erhöhte.
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Da außer den in den lebensnotwendigen Wirtschaftsbetrieben Küche, Keller, Proviantraum tätigen Häftlingen der weitaus größte Teil der Lagerinsassen auf die Dauer einiger Wochen arbeitslos war, beschäftigten wir uns mit dem Sortieren von Zivilkleidern, die kurz vorher auf mehreren LKWs in das Lager geschafft worden waren. Es handelte sich um eine Sendung aus Auschwitz . Sie bestand aus Tausenden von Bekleidungsstücken Anzügen, Mänteln, Frauen
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und Kinderkleidern, Schuhen, Wäsche und dergleichen Gegenständen, die man den in den Lagern Auschwitz und Maidanek ermordeten Juden abgenommen hatte und die nun zu weiterer Verwertung in das„ Bekleidungswerk der Waffen- SS " wanderten, Hier wurden sie zunächst einmal
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