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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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gegen Voreinsendung des Betrages von 2,50 Reichs­mark zugeschickt".

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Nicht alle Angehörigen gaben sich mit der Urne einer schwarzen Blechbüchse zufrieden. Manche wollten die Leiche noch einmal sehen und fuhren zu diesem Zweck mit Kränzen und Blumen nach Sachsenhausen, wo die Lager­führung in weiser Voraussicht einen Paradesarg bereit hielt, in welchem die Leiche des Häftlings feierlich aufgebahrt wurde. Ein Angehöriger der SS, meistens der Rapportführer oder gar der Herr Lagerführer selbst, machte bei dieser Ge­legenheit den trauernden Hinterbliebenen die Honneurs und bedauerte aus tiefstem Herzen, daß der Kranke trotz sorg­fältigster Pflege nicht mehr zu retten gewesen wäre. Hatten die Angehörigen den scheinheiligen Händedruck des hohen Herrn entgegengenommen und so getröstet" den Kommandanturbereich des Lagers wieder verlassen, flogen Kränze und Blumen in die Müllgrube, die Leiche des Häftlings in eine schwarze Kiste- und der feierliche Akt war zu Ende. Da die oben angeführte Sterblichkeitsziffer eine Durchschnitts­zahl ist und es in Wirklichkeit Tage gab, an denen 50 bis 60, ja Hunderte von Häftlingen starben( wie an jenem in Kapitel X geschilderten Wintertag), hatte das Kommando ,, Krematorium" stets alle Hände voll zu tun. Oft standen die schwarzen Kisten in hohen Stapeln vor dem Eingang des Ge­bäudes, auf dessen qualmender Esse oft nachts noch die Flammen tanzten wie die zuckenden Seelen der in die Freiheit des Himmels entlassenen Toten.

Untertags zogen Krähen in breiten Schwärmen vom nahen Walde über das Lager, das im nebelfeuchten Grau eines Herbsttages einen so trostlosen Anblick bot, daß man kaum an die Wirklichkeit seiner Existenz glauben mochte. Kahl und baumlos, wie von der Schere des Teufels herausgeschnitten aus dem Bild der lebendigen Welt, weitete sich der in seiner Leere gähnende Platz, eine Arena der Verzweiflung, ein Zir­kus der grausigsten Spiele, die der Mensch je erdacht und geübt. Hier hatten wir triefend vor Nässe oft viele Stunden gestanden, hatten schwerbeladene Karren geschoben oder in den Schößen unserer gestreiften Jacken den Sand fort­

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