innerem Halt, meist die Folgeerscheinung einer depressiven Veranlagung, erzeugte eine gefährliche Indolenz gegen die harten Bestimmungen der Lagerordnung. Wer erst einmal die barbarischen Methoden der körperlichen Züchtigung über sich hatte ergehen lassen müssen, fand meist kein Zurück mehr. Widerstandskraft und Trotz waren gebrochen.
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War ein Häftling in dieses Stadium der körperlichen und seelischen Entkräftung gelangt, so bezeichnete man ihn als ,, Muselmann", für den es kaum noch eine Rettung gab. Da ihm sein Zustand von den SS- Ärzten als eine Art Vergehen, Heimtücke oder Arbeitsscheu vorgeworfen wurde, konnte er auf eine Genesung nicht rechnen. Er starb und wurde ,, durch den Schornstein entlassen", das heißt er wurde verbrannt. Viele Jahre hindurch belief sich die Sterblichkeitsziffer im Lager auf 30 Häftlinge täglich. Lungenentzündung, Wassersucht, Phlegmone, Dysenterie, Tuberkulose, Mißhandlungen und vor allem die völlig unzulängliche Krankenbehandlung waren die hauptsächlichsten Todesursachen, Häftlinge, die ihr erbärmliches Los nicht mehr länger ertragen mochten, begingen Selbstmord. Sie erhängten sich oder liefen was noch einfacher war ,, in den Draht". Jede Berührung des mit elektrischem Strom geladenen Drahthindernisses, das mit der Lagermauer parallel lief, verursachte eine sofortige Herzlähmung. Da das Überschreiten der sogenannten„ neutralen Zone" eines Rasenstreifens, der vor dem Drahthindernis lag verboten war und die auf den Türmen verteilten SSPosten berechtigte, von der Waffe Gebrauch zu machen, hatte der Betreffende, der auf diese Weise den Tod suchte, meist nicht lange zu leiden. Vom Starkstrom gelähmt und von einigen MP- Geschossen durchbohrt, blieb er im Stacheldraht hängen, aus dem der Leichnam erst nach Verlauf von einigen Stunden entfernt und in die Pathologie gebracht wurde. Die Verbrennung erfolgte im Krematorium des Lagers, Die Angehörigen eines jeden Verstorbenen erhielten durch die Lagerverwaltung die Nachricht, daß der Häftling Soundso am Soundsovielten im Krankenbau des Lagers an den Folgen einer Blutkreislaufstörung gestorben sei. Die Urne mit der Asche des Verblichenen würde ihnen- falls sie Wert darauf
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