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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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er das Vertrauen seiner Auftraggeber in einem so hohen Maß, daß er sich frei wie ein SS-Angehöriger im Lager be- wegen konnte. Er war ein grausiger Narr, ‚dem man mit scheuer Vertraulichkeit begegnen mußte, wenn er einem die Ehre seiner Unterhaltung erwies, eine jener düsteren Existen- zen, wie sie nur in Konzentrationslagern möglich waren, und ein würdiges Gegenstück zu den obengenannten Häftlingen Kuhnke, Kokoschinski und Volck.

Auch Gallipavi war eine solche dunkle und katilinarische Existenz. Er hatte schon in anderen Lagern sein Unwesen getrieben und galt in den Augen der Lagerführung gewisser- maßen als ein Koryphäe der Gemeinheit. Zusammen mit dem Häftlingsdolmetscher Siegel, der im Herbst 1944 in die SS eintrat und an der Niederschießung von russischen Kriegs- gefangenen im Januar 1945 persönlich beteiligt war, und dem Luftmarschall Maschke leistete auch er Großes auf dem Gebiete der Angeberei, Zwei weitere Kreaturen dieses Schlages waren der Blockälteste Jahnke, der ebenfalls beim Sicherheitsdienst landete, und der schon vorhin genannte Volksdeutsche Kokoschinski, ein ehemaliger Lehrer, der schon in den Jahren 1941/42 für die Gestapo arbeitete und der jetzt, als Vorarbeiter der Poststelle, seine Fähigkeiten als. Vertrauensmann der SS beweisen konnte,

DieseMänner Häftlinge wie wir waren also nun, nachdem man Naujoks, Buchmann und Grosse in die Ver- bannung geschickt hatte unsere Vorgesetzten. Selbstver- ständlich wußten wir über jeden von ihnen gründlich Be- scheid. Sie alle zusammen hatten in dem schon erwähnten Arbeitseinsatz einen grimmen und mächtigen Feind; seiner gegen die Verräterei dieser Menschen gerichtetenNeben- arbeit war es zu verdanken, daß sowohl Kuhnke als auch Volck und Kokoschinski eines Tages strauchelten und, hof- fentlich, das Schicksal gefunden haben, das sie sich tausend- mal verdient hatten.

Das Eigenartige an diesen hier zur Sprache kommenden Er- eignissen lag in der Absonderlichkeit einer Organisation, die erst im Frühjahr 1944 in Erscheinung trat und als sogenannte Sonderkommission unter dem Vorsitz eines Herrn namens

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