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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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zunächst als Dolmetscher Verwendung, kam als solcher mit der Lagerleitung in Berührung, der gegenüber er sich jeden- falls als Feind derKommune erklärte. Er war also der geeignete Mann für Vigilanten- und Zuträgerdienste. Wie allen Menschen seines Schlages gebrach es ihm an Weitblick und Klugheit, Er witterte einen augenblicklichen Vorteil und setzte die hundertmal erwiesene Undankbarkeit der SS dabei völlig außer Rechnung. Er beging genau wie Kuhnke zuletzt die katastrophale Dummheit, daß er mit der SS schließlich gegen die SS laborierte, was seinen Sturz in den Abgrund unausbleiblich machte. Das Schmerzliche daran war lediglich, daß er in gemeinsamer Arbeit mit den oben ge- nannten Ehrenmännern eine große Anzahl tausendmal wert- vollerer Menschen, als er einer war, ins Unglück brachte!

Zu dieser Zeit war ein neues, höchst eigenartiges Kommando entstanden, eine Art Sicherheitstruppe, die bei Luftangriffen als Lagerschutz in Erscheinung trat und, mit Schaufeln be- waffnet, gewisse Punkte des Lagers besetzte. Kommandant dieser Truppe war ein Berufsverbrecher namens Maschke, der seiner merkwürdigen militanten Neigung wegen den SpitznamenLuftmarschall Maschke führte und sich dieser Auszeichnung durch ein entsprechendes Verhalten würdig erwies. Er trug, wie ein SS-Mann, einen Stahlhelm, Reit- stiefel und Schulterriemen. dazu allerlei kindlichen Zierat auf dem Jackett, kleine Metallpropeller und eine gedrehte Schnur, an der eine Pfeife hing. Dieses seltsame Subjekt ent- faltete in seinem Amt als Sicherheitsoffizier bald eine weit über seine eigentlichen Funktionen hinausgehende Tätigkeit, indem auch er sich zu Zwecken mißbrauchen ließ, die geheim- nisvoll und verbrecherisch waren. Er beteiligte sich mit Hin- gabe und Energie an den Verhören von sogenannten Polizei- häftlingen, worunter angeblich Plünderer und Saboteure zu verstehen waren, und war in dieser Eigenschaft die rechte Hand des Rapportführers Böhm, der mit der Pfeife im Mund diese Häftlinge zur Exekution auf den Industriehof führte. Ehe dies geschah, entpreßte ihnen jedoch Luft- marschall Maschke Geständnisse durch die grausamste Be- handlung, die man sich nur immer denken kann. Dafür genoß

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