aber die allzu heftigen Exzesse spürbar ein. Der Laufschritt wurde abgeschafft, die Erlaubnis zur Durchführung von kulturellen und sportlichen Veranstaltungen erteilt.
Man hätte Tränen des Glücks vergießen können über eine solche Wandlung in den Verhältnissen, hätte man dabei auch nur ein einziges Mal das Gefühl gehabt, daß sie aus Gründen der Menschlichkeit erfolgte. Aber sie erfolgte aus Gründen der Zweckmäßigkeit.
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Die Arbeit in allen Betrieben lief jetzt auf Hochtouren. Tag und Nacht lärmten die Maschinen in den Hallen und Werkstätten der Lagerindustrie. Unsere Freistunden wurden gekürzt, Waffen wurden produziert und Ausrüstungsgegenstände. Hunderte von Bombensuchern- jetzt Ukrainer und Polen fuhren täglich nach Berlin , um die nicht explodierten Luftminen zu beseitigen. In den ausgedehnten Waldungen von Sachsenhausen wuchsen Barackenstädte aus dem Boden. Das Baubüro wurde erweitert und der Arbeitseinsatz gegründet. Mit der Schaffung dieser Dienststelle verschwand ein weiterer Übelstand, der bis dahin Tausenden von Häftlingen das Leben erschwert, vielen sogar das Leben gekostet hatte: der kollektivistische Arbeitszwang! Bestand bis dahin die Verfügung, daß jeder„ Zugang" ohne Ansehen der Person und ohne Berücksichtigung seiner zivilberuflichen Tätigkeit als Hilfsarbeiter arbeiten mußte, so sorgte jetzt eine eigene Behörde für einen möglichst individuellen Einsatz der Häftlinge. An Hand einer neugeschaffenen, umfangreichen Kartei, die unter Anwendung des Hollerithverfahrens einen genauen Nachweis der vielen unterschiedlichen Berufe und Berufsgruppen ermöglichte, konnte jetzt jeder Häftling an den Platz gestellt werden, an dem er auf Grund seiner Fähigkeiten das Beste zu leisten vermochte. Da die immer vielgliedriger werdenden Betriebe einen sehr großen, kaum zu befriedigenden Bedarf an Spezialkräften aller Art anmeldeten, konnte es jetzt kaum noch geschehen, daß beispielsweise ein Elektroingenieur mit Pickel und Schaufel arbeiten mußte. Einen weiteren direkten Vorteil für uns Häftlinge brachte diese Neuerung auch insofern, als die Krankenpflege jetzt nicht mehr ausschließlich in Händen von SS - Ärzten und un- oder angelernten Pflegern
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