XIX
Massenmörder Hermann Loritz
Die oben geschilderten Zustände in der Unterkunftskammer der Verwaltung geben zu der eingehenderen Betrachtung jenes schon flüchtig erwähnten Vorfalls im Winter 41 auf 42 Anlaẞ, bei welcher Gelegenheit mein Freund Hubert M. die furchtbaren Leiden des ,, Pfahls" kennenlernen mußte. Damals hatten die in jeder Hinsicht korrupten Verhältnisse, die in jenem Betrieb herrschten, eine Brandstiftung notwendig gemacht, deren Folgen die in der Kammer beschäftigten Häftlinge zu tragen hatten. Ich stehe nicht an, als eigentlichen Urheber dieses Verbrechens den damaligen Kommandanten des Lagers, den SS- Oberführer Hermann Loritz, einen ehemaligen Polizeibeamten aus Augsburg , zu bezeichnen. Ich werde auf diesen Mann noch öfters zu sprechen kommen, denn er dürfte in der Geschichte der Konzentrationslager als eine Erscheinung von ganz besonderer Prägnanz figurieren, und wenn ich auch nicht in der Lage bin, die genaue Zahl der Menschenleben anzugeben, die dieser Mensch auf dem Gewissen hat, so darf ich wohl ohne Übertreibung sagen, daß sie in die Hunderte geht.
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Als an jenem Novembertag des Jahres 1941, morgens gegen 2 Uhr, die Unterkunftskammer in Flammen aufging, wollte es der Zufall, daß auch in dem Bevauerblock 13 ein Feuer ausbrach, dessen Ursache insofern leicht zu klären gewesen wäre, als es der Brandstifter ein offenbar geistesgestörter Häftling vorzog, anstatt sich zu retten, in den Flammen mit umzukommen, Nichtsdestoweniger ordnete Oberführer Loritz an, daß die gesamte Belegschaft des Blocks etwa 200 Häftlinge ,, zur Strafe" an das Tor gestellt würde. Das Thermometer zeigte an jenem Morgen 22 Grad unter Null! Die Kleidung der Häftlinge bestand aus dem gestreiften Drillichanzug und dem sogenannten„ Mantel", einem papierdünnen, aus durchlässigem Sackstoff gewirkten Kleidungsstück, das weder
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