gegen Kälte noch Regen einen hinreichenden Schutz bot. Die Folge der Anordnung des Kommandanten war, daß gegen 7 Uhr morgens bereits 18 ältere Häftlinge in die dem Erfrie- rungsstod vorausgehende Ohnmacht gefallen waren und be- wegungslos auf dem vereisten Betonboden der Lagerstraße lagen. Ein mitfühlender Blockältester veranlaßte hierauf den Abtransport dieser Halbtoten, um sie durch geeignete Maß- nahmen wieder ins Leben zurückzurufen. Als Kommandant Loritz durch irgendeinen Scharführer von dieser eigenmäch- tigen Handlung des‘ Blockältesten Kenntnis erhalten hatte, ließ er durch seinen Rapportführer Hermann Campe die 18 Häftlinge wieder an das Tor schaffen, wo sie gegen 11 Uhr vormittags an den Folgen der barbarischen Kälte starben. Inzwischen waren auch noch andere Häftlinge diesem furcht- barenSchicksal verfallen, während diejenigen, die diese Tortur überstanden, schwere Erfrierungen an Händen und Füßen und im Gesicht davontrugen, Zu derselben Zeit, da sich dieses ereignete, wurden im Hof des Zellenbaus die in der U-Kam- mer beschäftigten Häftlinge an den Pfahl gehängt, da gegen sie der Vorwurf der Brandstiftung erhoben worden war, ob- wohl jedermann im Lager über die wirklichen Ursachen Be- scheid wußte. Auch an diesen Häftlingen verursachte die unmenschliche Marter schwere Gesundheitsschäden, und nur der hingebenden Pflege, die ihnen ihre Blockkameraden nach Beendigung der Prozedur zuteil werden ließen, blieb es zu verdanken, daß sie mit dem Leben davonkamen.
Der Inspirator all dieser Grausamkeiten, der Kommandant Hermann Loritz, stammte aus der berüchtigten„Dachauer Schule“, wo er in den Jahren vorher hinreichend Gelegen- heit gefunden hatte, sich die erforderlichen Fähigkeiten in der Ermordung von Häftlingen zu erwerben, Rücksichtslos und ohne das geringste Empfinden für die Leiden anderer ließ er bei jedem noch so geringen Anlaß das ganze Lager stundenlang stehen, eine Methode, die zahllosen Menschen das Leben kostete. Stundenlanges Üben im Abnehmen und Aufsetzen der Mützen wechselte unter seiner Führung ab mit langem, schmerzhaftem Verweilen in der Kniebeuge, ja, ein- mal erging sogar der Befehl, in dieser Stellung— und zwar
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