BE TE EEELETTITTRET TERN TET STETTEN
neue Garderobe enthielt: ein zerschlissenes Hemd, eine Zebrahose aus Sackstoff, eine Zebrajacke, ein Paar Holz- schuhe, ein Paar Socken und eine Tellermütze. Alle diese hundertmal geflickten brüchigen und maßlos schmutzigen Gegenstände waren viel zu klein für mich. Glücklicherweise erklärte sich ein kleinerer Mann, der zu weites Zeug erhalten hatte, mit einem Tausch einverstanden.
Wir zogen uns an. Als das geschehen war, kannte keiner den anderen wieder. Ich selbst kannte mich nicht wieder! Als ich in den Spiegel schaute, erschreckte mich der Anblick zutiefst. Ich war kein Mensch mehr, sondern eine Figur.
Nach dieser Prozedur des Einkleidens hatte ich nichts mehr, was mich noch an Mein freies persönliches Leben hätte er- innern können— meine Brille ausgenommen. Alles andere war in den großen Sack gewandert, der meine Zivilsachen bis zum Tag meiner Entlassung bewahren sollte. Mit Trauer im Herzen gab ich alle jene Kleinigkeiten ab, zu denen man ein gewisses inneres Verhältnis hat: Füllfederhalter, Notiz- buch, Bilder meiner Kinder, Nagelschere, Kamm und der- gleichen. Noch war ich nicht gefeit gegen die weichen Re- gungen des Gemüts; noch machte mir meine Seele zu schaffen, dieses seltsame Ding, das zum Mörder unseres Leibes werden kann, wenn wir ihm zuviel Bewegungsfreiheit einräumen. Ich hätte an jenem Tag noch weinen können über die Schän- dung meines inneren und äußeren Menschen— aber ich begriff doch schon, daß es besser wäre, dieser Regung nicht nachzugeben, denn ich wollte nicht zugrunde gehen an dieser beispiellosen Vereinsamung. Ich habe denn auch niemals geweint in den Jahren meiner Haft— aber ich freute mich auf den Tag, da ich wieder einmal weinen dürfte, Wie ein Geschenk des Himmels ersehnte ich manchmal das Recht auf Tränen. Aber als der Tag dann kam, merkte ich zu meinem Schrecken, daß ich das Weinen verlernt und die Lieder zum Preise des Lebens vergessen hatte.


