nie hatte ich einen Menschen mit soviel Lust, soviel Freude und Ausdauer Schläge austeilen sehen, wie an diesem Vor- mittag jenen Herrn Bugdalla. Seine Augen leuchteten vor Glück, sein schmaler asketischer Mund verzog sich In lüsternen Kurven, Schweiß stand auf seiner Stirn, hinter der sich die Gedanken zur Erfindung immer neuer Züchtigungs- arten entwickelten, die Hände mußten ihm eigentlich schon schmerzen, und taten es vielleicht auch, aber er ertrug „heroisch“ den Schmerz und ließ weiter seine knochigen Fäuste in die Gesichter seiner Opfer sausen. Menschen, die in rasender Angst, und weil die Geste der Abwehr nun ein- mal jeder Kreatur angeboren ist, die Hände schützend vor das Gesicht hielten, wurden mit dem Knauf des Revolvers zu Boden geschmettert, denn jede Abwehrbewegung galt als ein versuchter Angriff auf einen SS-Angehörigen und gab diesem das Recht, den„Angreifer“ sofort niederzuschießen. Daß Herr Bugdalla von diesem Recht keinen Gebrauch machte, wundert mich heute noch. Ein Mann, der sich— wie aus seinen Akten, die Herr Bugdalla auf dem Tisch liegen hatte, hervorging— vor zwanzig Jahren einmal— gegen den$ 175 vergangen, dieses Vergehen aber jetzt verschwiegen hatte, wurde nun an Ort und Stelle buchstäblich zu Tode geprügelt. Mich persönlich rettete diesmal das„W“ meines Namens, das mich unter Beachtung der alphabetischen Ordnung an das Ende der Aufnahmeorgie rückte. Schon beim Buchstaben„P“ stellte Herr Busdalla seine Tätigkeit ein— seine Hände schafften es einfach nicht mehr—, er fuchtelte nur noch mit dem Revolver herum und ich schlüpfte ungezüchtigt durch die Tür zum Bad, wo ich mich nach Angabe meiner Perso- nalien meiner Zivilkleider entledigen und der Prozedur des Haarschneidens unterziehen mußte; denn der Sklave trägt das Haupt kahlgeschoren und ist damit eindeutig als Mensch minderer Kategorie gekennzeichnet.
Unter der eiskalten Brause des Duschraums erfolgte dann die zu einer ruhigeren Betrachtung der neuen Lebenslage erforderliche Herabminderung der Bluttemperatur. Nackt und triefend vor Nässe wurden wir daraufhin ins Freie gejagt, wo man uns ein Paket aushändigte, das zusammengeballt unsere
56
—e————


