Druckschrift 
Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen

1

t

e

Hätt' ich statt Nichts ein goldbedachtes Leben,

Ich könnt' nie werden, ich wär' dazu zu schlecht.

3. So bin gezwungen ich, aus allem Nichts doch zu erstehen Und wurde wie der Stein, der aller Welt zum Wert. Das Nichts wird bald zum Zwecke sich erheben,

Weil es dazu gezwungen wie in der Faust das Schwert.

4. Nun steh' ich da, durchbohrt an Leib und Seele, Beginnen kann vor Gram ich längst nicht mehr.

-

Ich kann nur irren gleich dem Toten selber,

Bis ich eingereiht ins große Leichenheer.

Ein Kampf ums Leben war vorüber. Ein Kampf für Nichts! Wenn es einen Gott gibt, kann er dieses Ringen nicht ohne Krönung vorübergehen lassen. Nein! Meine ehrliche Liebe so traurig zu bezahlen! Weg alle meine Hoffnungen, zunichte gemacht der Zweck meines Lebens. Was ich bin und habe, ist ein kranker, totgegrämter Kadaver!

Du, Elfi, ich fühl' es in jeder Faser, bist ins falsche Glück ge­hetzt worden. Ich brach zusammen gleich einem brennenden Haus. Meine Energie glich den Resten des brennenden Heims. Es gibt keinen Anfang, kein Ende, keine Stütze.

Die Ruhr, die mich schon seit Wochen marterte, nahm kein Ende. Ich wurde schwächer und schwächer. Kaum konnte ich noch das Haus verlassen. Unter Menschen durfte ich mich längst nicht mehr bewegen. Aus den Füßen trat Eiter. Leichenvergiftung? Im Rücken und auf der Brust stach es, als wären tausend Dolche am Werk gewesen...

Zu einem Arzt konnte ich nicht gehen, denn der, den ich in Anspruch hätte nehmen dürfen, war Nationalsozialist. Ein Mann, der mich seit dem Kampfjahr 1934 kannte und bei mir Gefangener war. Er würde mir höchstens eine Spritze gegeben und damit ewige Ruhe verschafft haben. Nur meine lahme Energie konnte mein Arzt sein. Die lag aber selbst hilflos vor meinen brechenden Füßen. Dem Irren gleich, wankte ich durch die Heimatgassen. Mich grüßten das Grün, die rauschenden Wipfel, ich flüchtete zu ihnen und konnte ihnen doch nicht mehr danken.

Vor mir lag lautlos, stumm, die Geige, meine Braut. Auch sie schwieg! Ich nahm sie zur Hand, entlockte ihr einige Töne, mußte sie aber gleich wieder weglegen. Sie war krank mit ihrem Spieler. Sie brauchte mein Herz, und das schlummerte vor Müdigkeit. Sie schwieg mit meiner Lust, sie starb mit mir und allen Freuden der Schöpfung!

Vor mir lag die unfertige Partitur. Sie wartete auf ihre Voll­endung. Auch sie würde zu meinen Lebzeiten nicht verstanden

181

1.

S

t

StIb

I

b

Le

n

S

e!

64

PUH

ie

ht

el